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Oper

Bariton Michael Volle über die Inszenierung von Verdis „Falstaff“ an der ­Staatsoper

Foto: Carsten Sander

tip Herr Volle, ist Falstaff vielleicht so eine Art Homer Simpson der Shakespeare-Zeit – nicht der Hellste, aber er freut sich dran?
Michael Volle Absolut. Ein Lebemann, der die besten Zeiten hinter sich hat. Ohne es zu merken. Er kriegt zu Recht eins auf’s Maul. Ohne mich gäb’s da weniger, um sich darüber lustig zu machen.

tip Warum sind komische Rollen in der Oper so selten?
Michael Volle Nur deswegen, weil sie zu selten gespielt werden. Komische Opern von Albert Lortzing, der keineswegs spießig war, oder von Otto Nicolai werden heute kaum noch aufgeführt. Ein komischer Charakter ist natürlich noch Papageno in der „Zauberflöte“. Ich hatte mir geschworen, ihn noch einmal zu singen, bevor ich aufhöre – obwohl ich leider keinen mehr angeboten bekomme. Letztes Jahr durfte ich endlich wieder ran.

tip Betrachten Sie den Falstaff als Lizenz, ein bisschen an Gewicht zuzunehmen?
Michael Volle Ich muss von Hause aus keinen Fatsuit anziehen, um den Falstaff glaubhaft zu verkörpern. Sehr zum Leidwesen meiner Knie. Andernfalls hätte ich aber auch zugenommen. Ich stelle, was ich am Leib trage, auch zur Schau. Erst danach wird abgenommen.

tip Würde man eine Gewichtserhöhung hören können?
Michael Volle Ich bezweifle es. Fett schwingt nicht. Eine Walküre bei Wagner muss nicht dick sein. Ich habe kürzlich an der Metropolitan Opera mit zwei Sopran-Schwergewichten gemeinsam gesungen, die sehr feine Stimmen besaßen. Pavarotti, der sehr hell klang, aber auch sehr gut gepolstert war, war eine Ausnahme.

tip Sie werden weltweit als Wagner-Sänger gebucht. Als Wotan oder Hans Sachs müssen Sie extrem aufdrehen. Führt das zu einem erhöhten Adrenalin-Ausstoß?
Michael Volle Ja. Aber wenn ich mich recht erinnere, war die Adrenalin-Ausschüttung beim Don Giovanni ähnlich groß. Diese Ausschüttungen sind enorm. Da ich im Schwarzwald ursprünglich mit viel Kirchenmusik groß geworden bin, hatte ich anfangs alles im Kopf, aber nur wenig im Hals. Ich musste erst lernen, aufzudrehen. Bis heute baggere ich ordentlich, um nicht nur Wagner, sondern auch italienische Rollen weiterhin singen zu können. Nur wenige Sänger tun beides. Aber es ist gesünder.

tip Wann genau kommt der Adrenalin-Ausstoß?
Michael Volle Wenn ich die Ouvertüre hinter der Bühne höre, fährt’s mir durch Mark und Bein. Dann will ich, angenommen ich singe den Don Giovanni, hinter der Donna Anna her. [Lacht] Vor das Adrenalin haben die Götter allerdings den Stress und die Anspannung gesetzt. Eine Hibbeligheit und Flattrigkeit. Und sehr große Schmetterlinge! Wenn der Lappen hochgeht, wie man im Theater sagt, verwandelt sich das.

tip Wie lange brauchen Sie, um danach wieder runterzukommen?
Michael Volle Wenn man danach zusammensitzt, sackt man irgendwann zusammen. Man ist schlapp und aufgedreht zugleich. Das macht alles auch süchtig. Könnte ich ein Vierteljahr nicht singen, würde ich sehr ungemütlich daheim.

tip Den italienischen Regisseur Mario Martone könnte man vielleicht für eher konservativ halten. Richtig?
Michael Volle Da liegt man falsch. Ein arrivierter Filmregisseur, der ein bisschen Hippie-Ambiente, ein bisschen Kommune inszeniert. Falstaff ist eigentlich ein gewesener Don Giovanni. Ein Sequel. So wird es auch inszeniert.

Staatsoper Unter den Linden Unter den Linden 7, Mitte, So 25.3., 17 Uhr, Mi 28.3., So 18 Uhr, So 1.4. 17 Uhr, Karten 28–275 €

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