Kultur

Barsche aus Tempelhof

Barsche aus Tempelhof

Urban Gardening? „Das ist für mich Gärtnern zur klassischen Selbstversorgung“, sagt Nicolas Leschke. Ihm und Christian Echternacht reicht das aber nicht: „Kommerzielle Lebensmittelproduktion in der Stadt, von höchster Qualität und Frische und so ressourcenschonend wie möglich – das wollen wir mit unserer Firma machen.“
Ihre Firma heißt ECF Farmsystems, und die beiden ziehen mithilfe von Investoren neben der Tempelhofer Malzfabrik gerade einen millionenschweren Bau hoch, den sie Referenzfarm nennen. Eine Grafik auf dem Bürotisch zeigt eine Art Gewächshaus, mit 1?800 Quadratmetern Fläche so groß wie ein Supermarkt. Ab Ende 2014 will ECF hier pro Jahr 35 Tonnen saisonales Gemüse erzeugen. Und 25 Tonnen Buntbarsch.
Leschke und Echternacht bedienen sich hierfür der Technik Aquaponik, deren Grundprinzip bereits den Azteken bekannt war und die am Müggelsee vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) unter dem Namen ASTAF-PRO verfeinert wurde: Eine Aquakultur und eine hydroponische – also ohne Erde – operierende Pflanzenzucht werden so installiert, dass man sie bei Bedarf koppeln kann. Das durch Bakterien aufbereitete Wasser aus den Fischtanks fließt dann zu den Pflanzen, etwa Tomaten, zirkuliert dort und düngt diese dank der enthaltenen tierischen Ausscheidungen. Mithilfe einer Kühlfalle, die über den Blättern verdunsteten Wasserdampf auffängt, gelangt es gereinigt wieder zurück zu den Fischen – eine Art Symbiose, die dem IGB zufolge weniger Frischwasser, Düngemittel, Fläche sowie Energie verbraucht als konventionelle Anlagen und überdies natürliche Fischbestände schont.
Die Anlage an der Malzfabrik soll mehr als eine halbe Million Euro jährlich mit dem Verkauf der Barsche an lokale Gastronomen, Abo-Gemüsekisten und einem Laden umsetzen. Als Kerngeschäft hat ECF jedoch die Planung und den Bau von Aquaponik-Farmen vorgesehen, wofür auch bestehende oder neue Gebäude infrage kämen. Vor allem Gemüsezüchter, Immobilienentwickler und Einzelhändler interessierten sich für das Konzept, sagt Leschke. Sie seien bereits vier- bis fünffach überbucht – mit Anfragen von Frankfurt bis Martinique.

Text: Roy Fabian

Foto: Harry Schnitger

Weitere Informationen www.ecf-farmsystems.com (einmal im Monat Gratisführung)

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