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„Bauchgefühle“ von Stefan Hochgesand

„Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei / doch am größten unter ihnen ist die Liebe.“ Bibeltreuen Christen muss ich nichts erzählen. Das ist aus dem 1. Brief des Paulus an die Korinther. Gehofft haben letzte Woche so einige – wirklich daran geglaubt vielleicht nicht. Und die Liebe hat verloren: Die Berliner CDU-Mitglieder haben sich gegen die Ehe für alle ausgesprochen. 45 Prozent stimmten dagegen, dass auch homosexuelle Paare heiraten können sollen. 35 Prozent dafür. Der Berliner CDU-Parteichef Frank Henkel hatte die Abstimmung initiiert. So was gab’s in der Union noch nie zuvor: eine Mitgliederbefragung zu einem Sachthema. Sachte Sache! Letztlich werden dann aber viele in der CDU wie die bauchgefühlgeplagte Bundeskanzlerin gedacht haben: „Für mich persönlich ist Ehe das Zusammenleben von Mann und Frau.“ Also nicht: eine Frau, die Verantwortung für eine Frau übernimmt. Ihnen bleibt nur die Light-Version: die eingetragene Partnerschaft. Heißt konkret: keine Gleichberechtigung in Sachen Adoptionsrecht, Unterhaltsrecht, Steuerrecht, Erbrecht. Ein Skandal ist das. Wir wissen, dass für die Kanzlerin und für die CDU vieles noch Neuland ist, was anderen geliebtes Leben ist. Wir erinnern uns an ihr Bauchgefühl. Vielleicht sollte sie sich öfter an ihre Bauchschmetterlinge erinnern. It’s love, stupid. Barack Obama sagte gerade der BBC, er werde mit afrikanischen Staatschefs „unverblümt“ über Gay Rights sprechen. Vielleicht sollte er danach auch Mutti anklingeln.

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