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Bauhütte Südliche ?Friedrichstadt

Bauhütte Südliche ?Friedrichstadt

Eine Bauhütte ist ein eigentlich mittel­alterliches Ideal. Ein Ort für alle, die mit einem großen Bauprojekt zu tun haben oder dort Arbeit suchen. Wobei die Bauhütte am Besselpark eigentlich ein Container ist. Pünktlich zum Make-City-Festival wird sie dort am 11. Juni eröffnet. Denn mit Bauprojekten werden hier, zwischen Mehringplatz und Jüdischem Museum, in den nächsten Jahren einige Menschen zu tun haben – und Arbeit dürften in einem der sozial schwächsten Innenstadtquartiere auch viele suchen.
Das 60?000 Quadratmeter große, teilweise brache Areal um den ehemaligen Blumengroßmarkt wird sich, kurz gesagt, ziemlich verändern. Allein 14?000 Quadratmeter neue Wohn- und Gewerbeflächen werden in den nächsten Jahren von verschiedenen Baugruppen erschlossen. Darunter sind Vorzeigeprojekte wie von der Frizz33-Gruppe, die Bildung, Wohnen und Arbeiten mischen will, und prominente Projekte wie der taz-Neubau.
Damit diese Neubaubebauung nicht so einschneidend wie in anderen Stadtteilen abläuft, Stichwort „Mediaspree, gibt es das Standortentwicklungskonzept „Kunst- und Kreativquartier“ vom Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg, das der Stadtsoziologe Florian Schmidt mitentwickelt hat (siehe auch nebenstehenden Artikel). Darin wird zumindest versucht, die Entwicklung eines der ärmsten Innenstadtbereiche nicht komplett Investoren zu überlassen – und zu dieser für Berlin modellhaften Entwicklung passte die Idee der Anwohnerin und Architektin Hendrikje Herzberg, eine Bauhütte als Treffpunkt, Informationsort und, idealerweise, Arbeitsvermittlungsprojekt für die Bewohner anzuregen: „Wir sind hier umgeben von sozialem Wohnungsbau, die Arbeitslosigkeit ist hoch, da wäre es doch gut, wenn ein Teil der Arbeit auch hier landen würde“, so Herzberg.
Florian Schmidt griff die Idee zusammen mit Architekt Robert Slinger auf und machte sie zum Teil des Quartier-Konzepts. Das auf zwei Jahre angelegte Projekt Bauhütte wird zu zwei Dritteln von den beteiligten Baugruppen finanziert, der Rest kommt aus Sanierungsmitteln des Bezirksamtes. Schmidt koordinierte die Projektentwicklung, Slinger plante derweil zusammen mit Anwohnern und Baugruppenmitgliedern den Umbau eines Baucontainers zu einem treffpunkttauglichen Ort, kleines Cafй inklusive. Außerdem sorgt er dafür, dass die Freiflächen um die Hütte herum möglichst vielen Menschen und Initiativen zur temporären Nutzung zugänglich sind.
Projektkoordinatorin Katy Schroth,  die einige benachbarte Initiativen mit ins Bauhütten-Boot geholt hat, freut sich besonders über den Beteiligungs-Aspekt der Bauhütte: „Berlin braucht dringend eine neue Beteiligungskultur, mehr Dialog zwischen Anwohnern, Politik und Verwaltung. Und zwar auf Augenhöhe“, so die Stadtplanerin. Und Ideengeberin Hendrikje Herzberg sagt: „Es geht darum, dass den Menschen hier nicht wieder einfach was vor die Nase gesetzt wird.“

Text: Iris Braun

Foto:
Harry Schnitger

Bauhütte Südliche ?Friedrichstadt am Besselpark, Ecke Enckestraße, Kreuzberg, während des ganzen Festivals vom 11.6.–28.6. geöffnet.

Veranstaltungen unter anderem: „Mit der Stadt spielen“, 20.6., 15 Uhr; „Erbe mitbestimmen“, 26.6., 19 Uhr; weitere Veranstaltungen zum Thema Liegenschafts­politik und Atelierräume: Termine unter ?www.facebook.com/bauhuettesf


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