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.berlin – Die neue Hauptstadt-Domain

.berlin - Die beue Hauptstadt-Domain

Eine neue Webseiten-Endung – darauf hatte Daniel Sippel lange gewartet. Der Informatiker und Hobbyfotograf betreibt den Blog Schönes Berlin, dort postet er Bilder von Berlin und Umgebung. Nur mit der Webadresse hatte er so seine Sorgen.“Schön“ und“Berlin“ waren unter“.de“ und „.com“ schon vergeben. Mit der neuen „.berlin“-Endung war dann Sippels Problem gelöst – ?Schoenes.berlin heißt sein Blog jetzt. Eine von ­mittlerweile 130?000 „.berlin“-Adressen. Klingt jetzt gut, allerdings waren anfangs nicht alle überzeugt – vor allem nicht der Berliner Senat.
Es war der 18. März 2014, als Berlin als erste Hauptstadt eine eigene Internet-Endung bekam. „Die ‚.berlin‘-Endung ist wie ein neues Stück Land, auf dem jeder bauen und wohnen kann“, sagt Dirk Krischenowski, Geschäftsführer der dotBERLIN Gmbh & Co. KG, die die“.berlin“-Endung betreibt. Beim Senat allerdings befürchtete man, durch eine Hauptstadt-Endung könnte das offi­zielle Stadtvermarktungs­portal Berlin.de an Relevanz verlieren.
Zwar fand die Launch-Veranstaltung der neuen Berlin-Endung im Roten Rathaus statt, doch ließ sich von der Landes­regierung niemand sehen, außer Senatssprecher Richard Meng, der eine eher frostige Rede hielt. Ein Unding, wie Thomas Birk von den Berliner Grünen findet: „Man kann nur froh sein, dass das Team von dotBERLIN sich von der früheren Hinhalte­taktik des Senats nie hat entmutigen lassen“, sagt Birk.
Aber auch sonst läuft noch nicht alles rund. Obwohl der offizielle Launch mittlerweile fast ein halbes Jahr zurückliegt, ist „.berlin“ noch immer nicht komplett freigeschaltet. Einige Adressen sind schlicht nicht verfügbar. Das hat auch Daniel Sippel gemerkt, als er sich Neukoelln.berlin zulegen wollte. Da hieß es nur vage, diese Domain sei reserviert – ohne genauere Gründe. Bekannt ist allerdings, dass sich die Berliner Regierung Adressen für eigene Zwecke reservieren ließ – und dass die Betreiber selbst, dotBERLIN, auch einige „Premium-Domains“ zurückhalten – die Zahl sei aber überschaubar, so der Betreiber.
Interessanterweise sprechen auch die 130?000 Domains mit der neuen Hauptstadtendung nur auf den ersten Blick für reißenden Absatz, denn in einer Promo-Aktion im Juni wurden die Adressen teilweise sogar kostenlos vergeben. Folge: Innerhalb eines Tages stieg die Zahl der Domains von 50?000 auf 120?000. Viele der Registrierungen dürften dabei zudem auf das Konto professioneller Domainhändler gehen, die die Webadressen vorsorglich blockieren, um sie teurer weiterzuverkaufen.
Und: Viele der „.berlin“-Seiten leiten immer noch direkt auf die alte „.de“- oder“.com“-­Adresse weiter. Dirk Krischenowski von dotBERLIN sieht das gelassen: „Bei der Einführung neuer Domain-Endungen braucht es immer etwas, bevor die Nutzung richtig anzieht.“
Nutzer Sippel freut sich auch durchaus über „.berlin“ :“Schön, dass es das gibt. Die Endung ergibt gute, lustige Domainnamen.“
Eine Start-up-Initiative hat sich beispielsweise Silicon.berlin genannt, eine Firma für Tierbetreuung Hundehotel.berlin, ein Blog Whenyoulivein.berlin. Sippel glaubt, dass das wirkliche Leben auf der Hauptstadt-Endung erst noch losgehen wird: „Für viele ist das wohl eher ein langfristiges Projekt“, mutmaßt er.“Sie haben sich gleich zu Beginn eine Domain mit einem spannenden Namen gesichert und sind womöglich gerade dabei, lokale Projekte zu starten.“

Text: Stefan Mey

dotBERLIN Die GmbH & Co. KG betreibt die Endung „.berlin“.

Reservieren kann man „.berlin“-Adressen nur ­indirekt über Vergabestellen. Die Adressen kosten dort zurzeit ­jährlich ­zwischen 22,86 Euro (Strato) und 49 Euro (United Domains).

Domain-Inhaberinfos unter:
nic.berlin/de/whois

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