Kultur

Kultur-Tipps für dieses Wochenende von Kunst bis Konzert

Berlin hat in Sachen Kultur viel zu bieten. So viel, dass es manchmal kaum möglich ist, den Überblick zu behalten. Deshalb helfen wir aus und präsentieren euch jede Woche die Kultur-Tipps rund ums Wochenende. Von Theater bis Konzert, von Lesung bis Kunst, von kleinen und besonderen Veranstaltungen bis zu großen Höhepunkten haben wir Empfehlungen für euch.


radioeins – Die Geburtstagskonzertsause

Bilderbuch feiern mit radioeins. Foto: Hendrik Schneider

1997 ging der heute zum rbb gehörende Sender radioeins auf Sendung. Ein Vierteljahrhundert on air – das gehört entsprechend gefeiert. Zwei österreichische Bands gratulieren: Das Duo Cari Cari gab für den Sender bereits ein Lounge-Konzert (2018). Bilderbuch gehören ebenfalls fest zum Programm. Nach dem Gig in der Philharmonie stellt die Art-Pop-Formation ihr aktuelles Album „Gelb ist das Feld“ open-air vor. Die Geschwister Kitty, Daisy & Lewis (Durham) spielen charmanten Retro-Pop, während Danger Dan am Piano Singer-Songwriter-Sounds mit Rap zusammenführt. Den bunten Abend beschließen die Lokalmatadore Beatsteaks.

  • Waldbühne Glockenturmstr. 1, Westend, Fr 16.9., 18 Uhr, VVK 63,25€, weitere Infos und Tickets hier

Bühne: Theaterfestival „Le Lampenfieber“ 

Im Acud zeigen junge Theatergruppen aus Deutschland und Frankreich ihre Werke. “Le Lampenfieber” heißt das Bühnenfestival. Foto: Pierre Schweitzer

„Désir / Sehnsucht / Craving“ – kaum ein Komplex dürfte in der Kunst häufiger betrachtet worden als jener, dem sich das neue Festival „Le Lampenfieber“ widmet. Dass das ein weites Feld ist, zeigt sich schon am Fokus auf unter anderem Klimakrise, Feminismus, LGBTQI+-Themen und Rassismus. Das deutsch-französische Projekt mit aufstrebenden Theatergruppen bringt Stücke von zwei deutschen und vier französischen Ensembles zur Aufführung, die von einer Jury unter 120 Vorschlägen ausgewählt worden sind. Festivalauftakt ist am 14. September, am Sonntag um 21 Uhr findet bei freiem Eintritt die Abschlussveranstaltung statt. Dazwischen sind insgesamt zwölf Aufführungen angesetzt.  

  • Acud Veteranenstraße 21, Mitte, 14.–18.9., Tickets ab 10 Euro, Festivalpass (erm. statt regulärer Eintrittspreis für alle Vorstellungen) 8 Euro, Spielplan und mehr Infos hier

Madness

Madness bleiben frisch. Foto: Lars Berndt Events GmbH

Auch wenn im Format-Radio nur ihr Chart-Erfolg „Our House“ (1983) läuft – die britische Ska-Pop-Formation war bis auf eine kurze Auszeit (1986-1992) stets aktiv. Die Kritiker attestierten dem Album „The Liberty of Norton Folgate“ (2009) den Status „Opus magnum“. Wie auch auf den späteren Platten verweigern sich Madness den Retro-Anleihen und klingen nach knapp 45 Jahren Bandhistorie noch immer frisch. Aufgrund der großen Ticketnachfrage spielen die Musiker am Samstag ein Zusatzkonzert.

  • Tempodrom Möckernstr. 10, Kreuzberg, Fr 16.9., Sa 17.9., 20 Uhr, VVK: 63 €, weitere Infos und Tickets hier

Stil: Die Entdeckung

Die Fashion Positions findet am Wochenende statt. Foto: Foto: Sebastian Reuter/Getty Images for Nowaday

Designer Lucas Meyer-Leclère war mit seinem Berliner Label LML Studio das Highlight der soeben zu Ende gegangenen Fashion Week. Unter dem Leitmotiv „remake, reuse, reassemble“ entstand eine Kollektion aus geremixten Vintage-Teilen und Handgestricktem – präsentiert von Models, die aussahen, als kämen sie geradewegs von einer CockTail d’Amore-Party. Der Newcomer LML Studio nimmt neben etablierten Modemacher:innen und -Labels, wie Leon Emanuel Blanck, Esther Perbandt, Fiona Bennett und Isabel Vollrath, an der Fashion Positions teil, die im Rahmen der Kunstmesse Positions am ehemaligen Flughafen Tempelhof stattfindet.

  • Fashion Positions @ Positions Art Fair ehem. Flughafen Tempelhof, Hangar 5–6, Fr 16.9. + Sa 17.9. 14–20 Uhr, So 18.9. 10–15 Uhr, 20€, erm. 10€, online

Kunst: Zweite Eröffnung des Humboldt Forums 

Altargruppe einer Königinmutter, Plastik, Messing, Nigeria, 18. Jahrhundert. Foto: Staatliche Museen zu Berlin, Ethnologisches Museum / Martin Franken

Vielleicht wird jetzt alles besser als 2021. Die Rückgabe in Kolonialzeit geraubter Kunstgegenstände ist von Staats wegen beschlossen, erste Verträge mit den Nachfolgestaaten der Kolonien sind unterzeichnet. Das war im Herbst 2021, bei der ersten Teileröffnung des Humboldt Forums, noch nicht so. Als Ethnologisches Museum und Museum für Asiatische Kunst in dem rekonstruierten Hohenzollern-Schloss ihre ersten Präsentationen eröffneten, gab es Proteste vor der Tür und drinnen beim Festakt scharfe Worte. Inzwischen haben die Verantwortlichen umgebaut und neue Ausstellungen gemeinsam mit Expert:innen aus den Herkunftsländern aufgebaut. Ein Muss, nun am Eröffnungswochenende zu sehen, wie das geworden ist – 24 Stunden lang, bei freiem Eintritt, mit Kunst, Musik und vor allem: Talks mit Vertreter:innen der Herkunftscommunities etwa aus Kolumbien, den USA und Indien.

  • Humboldt Forum Schloßplatz 1, Mitte, Mo, Mi, Do, So 10–23, Fr/Sa 10–22 Uhr, Dauerausstellungen und Eröffnung am 17./ 18.9. Eintritt frei

Literatur: Jonathan Franzen

Jonathan Franzen liest am Wochenende bei Radioeins. Foto: Janet Fine

„Crossroads“, der aktuelle Roman des amerikanischen Literaturgiganten, ist ein mächtiges Werk von mehr als 800 Seiten über die Pfarrer-Familie Hildebrandt aus einem Vorort von Chicago, in der es im Jahr 1971 drunter und drüber geht: vom Vater, der sich von seiner Gemeinde entfernt und sich in eine Witwe verliebt, bis zur Tochter, der ihre erste Kiff-Erfahrung gleich mal zu einer Begegnung mit Gott verhilft. Und diese gut 800 Seiten sind nur der erste Teil einer Trilogie. Jonathan Franzen spricht übrigens auch ganz passabel Deutsch, er hat in den 80er-Jahren mal in Berlin gelebt. Jetzt ist er auf Kurzvisite in Deutschland, unter anderem, um in Lübeck den Thomas Mann-Preis entgegenzunehmen. Und liest bei Radioeins.

  • Großer Sendesaal des rbb Masurenallee 8–14, Westend, So 18.9., 18 Uhr, 17/16 €

22. Internationales Literaturfestival

Szczepan Twardoch tritt am 17. September beim ilb auf. Foto: Imago/Horst Galuschka

Berlins zehn wichtigste Tage für internationale Gegenwartskultur gehen in die Vollen. 200 Veranstaltungen, 150 Literat:innen (nach zwei pandemiebedingt videointensiven Ausgaben wieder fast immer live vor Publikum). Mit thematisch vielfältigen Lesungen, Panels, auch Filmen, Konzerten. Jede Menge große Namen: Zadie Smith, Margaret Atwood, Bernardine Evaristo, Damon Galgut, Antje Rávik Strubel, Saša Stanišić, Durs Grünbein. Aber auch viele Entdeckungen (teils zumindest bei uns): wie Jay Bernard, Irene Solà, Sarah M. Broom (Foto). Die beiden Eröffnungsreden hielten David Van Reybrouck (Festival) und Angeline Boulley (Kinder- und Jugendsektion). Das 22. ilb, das am 7. September begann, bietet bis zum 17. September für Literaturfans eigentlich wenige Ausreden, die Tage oder Abende zuhause zu verbringen. Und selbst dann wird es schon irgendwie kompliziert: irgendwas Tolles verpasst man nämlich immer.

  • Haus der Berliner Festspiele (Hauptort) Schaperstr. 24, Wilmersdorf, 33 weitere Orte, bis Sa 17.9., „Berlin liest“: So 4.9., alle Infos: literaturfestival.com

Bühne: Rosa von Praunheims „Die Bettwurst“ als Musical

Heiner Bomhard und Anna Mateur übernehmen die Rollen von Luzi und Dietmar. Foto: Barbara Braun

Seinen eigenen Camp-Film „Die Bettwurst“ von 1971 verwurstet Rosa von Praunheim nun als Musical. So greift der Regisseur kurz vor seinem 80. Geburtstag auf ein Frühwerk zurück und bereitet es für ein von ihm bislang nicht bedientes Genre auf. Anna Mateur und Heiner Bomhard spielen das ungleiche Paar Luzi und Dietmar, sie eine ältere Sekretärin, er ein junger Hilfsarbeiter aus Berlin mit krimineller Vorgeschichte.

  • Bar jeder Vernunft Schaperstr. 24, Wilmersdorf, bis 2.10., Di–Sa 20 Uhr, So 19 Uhr, 22,90–57,90, erm. 12,50 €, online

Kunst: Goya: Yo lo vi – Ich sah es – I saw it

Francisco de Goya Los desastres de la guerra, 1810-1820 80 Radierungen, gebunden Blatt 2: Con razon ó sin ella Zu recht oder zu unrecht Rightly or wrongly Sammlung Julietta Scharf, Berlin Foto: Dietmar Katz, Berlin/Francisco de Goya/Sammlung Julietta Scharf, Berlin

Was Menschen Menschen antun, hielt vor Einführung der Fotografie Francisco de Goya fest. Anlässlich des Kriegs gegen die Ukraine zeigt das Museum Sammlung Scharf-Gerstenberg rund 35 originale Druckgrafiken und die vier berühmten Druckzyklen von Goya zu Krieg und gegen Armut, darunter „Los desastres de la guerra“, 1810-1820 (Abb). Arbeiten, die in der Buchfassung vorliegen, sind als Projektion zu sehen, zudem gibt es eine Filmreihe.

  • Sammlung Scharf-Gerstenberg Schloßstr. 70, Charlottenburg, Di–Fr 10–18, Sa/ So 11–18 Uhr, 10/ 5 €, bis 18. J. frei, Tickets: hier, bis 6.11.

Bühne: Iron Curtain Man

Nobody knows me back in my hometown. Foto: Vincent Stefan

Fabian Gerhardt inszeniert die Geschichte um Schauspieler und Sänger Dean Reed, der in den 70er-Jahren die USA verließ, um fortan in der DDR zu leben und zu arbeiten. Doch die Geschichte des “Elvis der DDR” endete tragisch: „Nobody knows me back in my hometown“, sang Dean Reed kurz vor seinem Tod im Jahr 1986. – Wiederaufnahme des Musiktheaters von Lars Werner (Text) sowie Claas Krause und Christopher Verworner (Musik). Die unwahrscheinliche Geschichte von Dean Reed lest ihr hier noch einmal.

  • Neuköllner Oper Karl-Marx-Str. 131-133, Neukölln, bis 18.9., Tickets ab 22 Euro, mehr Infos und Termine hier

Kultursommerfestival

Kultursommerfestival: Auf dem Tempelhofer Feld gab es eine Lichtshow direkt vom berühmten Burning Man Festival. Foto: Guillaume Gleize

Der Höhepunkt der Draußensaison 2022 ist das Kultursommerfestival. Jährlich wiederkehrende Festivals wie die Fête de la Musique, das Pop-Kultur-Festival in der Kulturbrauerei und die Lange Nacht der Museen waren Teil des Eventmarathons, der am 18. Juni 2022 startete und für drei Monate andauern soll. Aber es werden auch neue und exklusive Events stattfinden, die es bisher so nicht gab. Start war am 18. Juni auf dem Flugfeld des Flughafen Tempelhofs mit einer Lichtshow der Compagnie Off – die sonst auch das legendäre Wüstenfestival „Burning Man“ in Nevada (USA) in ein Farbenmeer verwandelt. Die Highlights vom Kultursommerfestival stellen wir euch hier vor.


Kunst: Berlin Biennale

Am Wochenende könnt ihr die 12. Berlin Biennale besuchen. Einer der Veranstaltungsorte: der Campus für Demokratie in Lichtenberg. Foto: BStU/Dronebrothers

Groß ist sie: An der 12. Berlin Biennale nehmen 77 Künstler:innen und Kollektive teil. Sie stellen an fünf Orten aus, in beiden Häusern der Akademie der Künste, den Kunst-Werken (KW), und erstmals zählt auch der Campus der Demokratie in der ehemaligen Stasi-Zentrale zu den Ausstellungsorten einer Berlin Biennale. Hinzu kommt ein Projektraum in der Wilhelmstraße, ungefähr dort, wo im Winter 1884/ 1885 die „Kongo-Konferenz“ die Grundlagen zur Aufteilung Afrikas unter den Kolonialmächten beschloss.

Damit ist das Programm unter dem Motto „Still present!“ grob umrissen. Kader Attia, 51, Künstler aus Paris und Teilzeit-Berliner, setzt sich auch als Kurator der 12. Berlin Biennale mit historischen Verwerfungen wie der Kolonialgeschichte auseinander, um herauszufinden, wie sich aus vergangenen Fehlern lernen ließe. Zu den Höhepunkten seiner Ausstellung zählen Taloi Havinis Installation „Beroana (Muschelgeld) IV“ in der Akademie der Künste am Pariser Platz und in der Wilhelmstraße Nil Yalters „Exil ist harte Arbeit“. So hieß auch die Ausstellung der 83-jährigen Pariser Künstlerin aus Istanbul im Kölner Museum Ludwig 2019. Ein Satz, den sich diejenigen hinter die Ohren schreiben dürfen, die argwöhnen, Menschen flüchten nach Deutschland, um es sich bequem zu machen.

  • Akademie der Künste Hanseatenweg 10, Hansaviertel, Mi–Mo 11–19 Uhr
  • Akademie der Künste Pariser Platz 4, Mitte, Mi–Mo 11–19 Uhr
  • Dekoloniale Erinnerungskultur in der Stadt Wilhelmstr. 92, Mitte, rund um die Uhr (Fenster)
  • Hamburger Bahnhof Invalidenstr. 50–51, Tiergarten, Di–Fr 10–18, Do 10–20, Sa–So 11–18 Uhr
  • Kunst-Werke (KW) Auguststr. 69, Mitte, Mi–Mo 11–19 Uhr
  • Stasi-Zentrale. Campus für Demokratie Ruschestr. 103, Haus 7 + 22, Lichtenberg, Mi–Mo 11–18 Uhr
  • Alle Orte: 11.6.–18.9.2022
  • Ticket: 18/ 9 €, Eintritt frei: Dekoloniale Erinnerungskultur und Stasi-Zentrale, bis 18 J., Berlinpass- & 1. So/ Monat (online)

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