Kultur

Berlins erster Wutraum

Berlins erster Wutraum

Ich hatte einen Schrotthaufen erwartet. Kaputte Möbel und Haushaltsgegenstände, denen ich den Rest geben soll. Stattdessen führt mich Christian Block, Betreiber des ersten Berliner Wutraums, in ein Zimmer, das aussieht wie Omas Wohnstube. Oder jede zweite Bar in Neukölln. Sofas und Sessel im 60er-Jahre-Style­, Blümchen­service, Stoff­lampe, Kuckucksuhr. Das kann ich doch unmöglich zerstören. Zu groß die Hemmschwelle. Zögernd nähere ich mich der Werkzeug-Ecke und greife zu einem mittelschweren Brecheisen, tippe dann damit gegen ein Glas auf dem Esstisch. Es zerspringt sofort in tausend Stücke. Das war einfach. Ich hole aus und dresche mit mehr Schmackes auf das gesamte Geschirr ein. Um mich herum tanzen die Scherben. Ich spüre, wie sich mein Kontrollzentrum verabschiedet. Von da an denke ich nicht mehr, ich crashe nur noch. Mit Baseballschläger und Vorschlaghammer zerlege ich erst den Fernseher, dann den kompletten Tisch. Zuallerletzt muss der Spiegel dran glauben. Kurz bevor er zerbirst, sehe ich darin noch mein rotbäckiges, breit grinsendes Abbild.        

Text + Foto: Henrike Möller

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