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Berufswunsch: Comiczeichner

Miliardengeschäft oder Nische? Wer mal mit Comics Geld verdienen will, kann es an Berliner Unis erlernen

Foto: Henning Wagenbreth / UdK

Von Donald Duck und Batman bis Lucky Luke und Asterix – Comics sind ein globales Kulturgut. Meist entstehen die Bestseller in den USA, Japan oder Frankreich. Doch auch Berlin hat eine interessante, jedoch hart umkämpfte Comicszene. Denn obwohl Comics ein milliardenschweres Geschäft sind, sind sie gleichzeitig auch eine exotische Nische. Hierzulande widmen sich nicht mehr als ein paar hundert Zeichner mehr oder weniger professionell dem Genre, wirklich davon leben können nur eine Handvoll. Der Bedarf ist aber da, denn Comic-zeichner können sich auch als Illustratoren beweisen oder für andere Medien arbeiten. Etwa für die Film- und Computerspielindustrie.
Wie aber wird man überhaupt Comic-zeichner? Eine offizielle Ausbildung wie beim Friseur oder Klempner gibt es nicht. Doch wer Leidenschaft für das Thema und etwas Talent mitbringt, hat in Berlin diverse Möglichkeiten sich ausbilden zu lassen.

„Es gibt nicht wirklich einen richtigen Comic-Studiengang in Deutschland aber Unis, an denen die Professoren der Grafikdesign-Studiengänge offener dafür sind als anderswo“, sagt der Berliner Zeichner Mawil, dessen Comic „Kinderland“ 2014 mit dem renommierten Max-und-Moritz-Preis ausgezeichnet wurde. Er selbst ist Absolvent des Studiengangs Visuelle Kommunikation an der Kunsthochschule Weißensee.

Auch der Zeichner Jens Harder hat in Weißensee studiert, damals hieß das Fach noch Kommunikationsdesign. Mit seinen Comic-Werken „Leviathan“ und „Alpha“ ist er international anerkannt. „Ob man mit so einem Abschluss nun Comiczeichner, Illustrator, Grafiker oder eine Mischung aus all dem wird, kann jeder selbst entscheiden. Wer weiß schon, was er in zehn oder zwanzig Jahren machen wird“, gibt er zu bedenken.
Viel hängt von den eigenen Interessen ab und der Frage, ob man sich in die Unwägbarkeiten der Kunst des grafischen Erzählens begeben will. Genauso wichtig sind aber auch die Professoren und deren Schwerpunkte. An der UdK etwa lehrt Henning Wagenbreth, einer der einflussreichsten deutschen Grafiker und Comickünstler der vergangenen 25 Jahre. Seine Illustrationsklasse ist ein gutes Sprungbrett für zukünftige Zeichner, die auch erzählerisch arbeiten wollen. „Eigentlich müsste man neben dem Illustrations- oder Grafikdesign-Studium auch noch ein Film- und Drehbuch-Studium absolvieren, um das Erzählen zu lernen“, sagt Mawil. Schließlich laufen beim Comic ja Text und Bild zu einer Handlungseinheit zusammen.

Neben den staatlichen Hochschulen existieren in Berlin einige private Hochschulen, die sich auf Grafik und Illustrationen konzentrieren und wo auch Comic eine Rolle spielt. Darunter die Design Akademie Berlin und die BTK Berlin, wo man Gestalten, Zeichnen und Animieren lernt. Harder sieht diese Angebote, die mit einem Bachelor abgeschlossen werden, jedoch kritisch: „Die privaten Schulen sind teuer und ohne Tradition. An den Unis bekommt man Grundlagen, die man sein Leben lang gebrauchen kann und man lernt fachgebietsübergreifend zu denken.“

Bei den privaten Hochschulen ist zudem der Kostenfaktor zu beachten, ein Studiengang kann einige hundert Euro im Monat kosten. Die staatlichen Hochschulen hingegen haben wegen ihrer begrenzten Plätze anspruchsvolle Aufnahmetests. Natürlich kann man auch ohne Studium Comiczeichner werden oder man  bildet sich bei Kursen, Workshops und Seminaren weiter, die viele Initiativen und Organisationen anbieten. Die Volkshochschulen natürlich oder das Festival Comicinvasion, und auch das Jüdische Museum hat kürzlich einen Comic-Workshop veranstaltet – für Kinder. Schließlich gilt, wer wirklich Comics machen will, der muss seinen eigenen Weg gehen. An den Schulen bekommt man dafür nur das Rüstzeug.

Kunsthochschule Weißensee: Visuelle Kommunikation, www.kh-berlin.de

Universität der Künste: Visuelle Kommunikation, www.udk-berlin.de

Design Akademie Berlin: Illustration, www.design-akademie-berlin.de

BTK Berlin: Illustration, www.btk-fh.de

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