Kultur

Big Giffeys Labor

Big Giffeys Labor

Gut, dass Buschkowsky nicht mehr von seinem Hochsitz im Neuköllner Rathaus die Republik erklärt. So weht ein neuer Wind in Neukölln: weniger politischer Altherrenduft, mehr Yes-We-Can-Mentalität. Franziska Giffey, seine 37-jährige Nachfolgerin, verkörpert diese Zäsur. Die SPD-Politikerin hat ein Thema, das sie in Talkshows und Bürgerversammlungen zum Hit macht: Neukölln als Labor für eine neue Stadtgesellschaft. Wo Türken und Araber, syrische Flüchtlinge, amerikanische Hipster und deutsche Hartzer zusammenleben, nicht immer reibungsfrei, aber weit weg vom integrationspolitischen Horrorbild, das Big Busch gern auf den Stadtteil projiziert hat. Giffey will nach vorne schauen: mehr Deutschkurse in der VHS, mehr Wilkommensklassen in Schulen. Jetzt hat sie sogar das "Neuköllner Modell" von Kirsten Heisig wiederbelebt. Sozialarbeiter, interkulturell geschult, sollen bei polizeibekannten Clans ein- und ausgehen. Mit den Migranten reden – und nicht über sie, wie es Buschskowskys Art war, in seinen Schriften und TV-Auftritten.    

Text:
Phillip Wurm

Foto: Alex1011 / Wikimedia Commons / CC BY-SA 3.0

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