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Du bist Berlin: Olaf Hajek

Thomas HajekEr müsse sich erst mal einen Kaffee eingießen, sagt
Olaf Hajek, damit er sprechen kann. Zehn Uhr morgens ist es in New York, und seine Stimme klingt eigentlich schon recht kräftig übers Telefon, als er erklärt: „Es war ein toller Abend.“

Hajek hat am Abend zuvor für Freunde eine Dinnerparty gegeben. Jedes Jahr mietet er sich in New York in der großen Wohnung „einer fantastischen italienischen Dame“ ein und besucht dort seine Agentur und seine Auftraggeber: die Art-Direktoren so berühmter Publikationen wie „The New Yorker“ und „The New York Times“.

Am besten verstanden in Amerika

Neben New York hat Hajek Agenten in Paris, London und Japan. Von seinem
Atelier in Mitte aus arbeitet er weltweit, doch Amerika ist das Land, in dem man seine Arbeiten am besten versteht. Von dort bekommt er die meisten Aufträge.

Dort gibt es eine lange Tradition der Illustration. Auch Finanz- und Naturmagazine beauftragen regelmäßig Zeichner. Und in Deutschland? „Es wird besser“, meint er. Man findet seine Illustrationen im „SZ Magazin“ und in „Park Avenue“, der subjektive Blick des Illustrators ist wieder mehr gefragt. „Doch hier werden eher Trends aufgenommen als eine Stilvielfalt gepflegt“, sagt Hajek.

Er hat einen unverwechselbaren Stil. Seine Arbeiten
sind sehr farbig und
extrem detailreich. Sie erinnern an naive Malerei und erzählen fast immer
eine Geschichte, die auf den ersten Blick rätselhaft wirkt. Afrikanische
Kunst, indische Miniaturen, Art Brut und American Folk Art sind die
Richtungen, die ihn beeinflusst haben. Einen „magischen Realisten“ nennt
ihn Pascal Johanssen, künstlerischer Leiter des Festivals Illustrative.

Die Illustration als bildliche Erläuterung zu einem Text

„Olaf Hajek arbeitet sehr sinnlich. Er verknüpft archaische Symbole und
aktuelle Motive und schafft es, den magischen Moment in seine Bilder
einzuweben“, sagt Johanssen. Weil er Hajek nicht nur für den wichtigsten
deutschen Illustrator, sondern auch für einen Künstler hält, wird er mit
ihm die neuen Räume seiner Galerie eröffnen.

Eine Illustration ist die bildliche Erläuterung zu
einem Text. Sie erfüllt
eine Funktion. Das machen Olaf Hajeks Arbeiten auch. Aber sie lassen sich
nie auf den ersten Blick ganz enträtseln. Nimmt man den Text weg, schadet
das seinen Illustrationen nicht, sondern es macht sie noch interessanter.
Man sieht: Hajeks Arbeiten behaupten ihre eigene künstlerische Position,
überschreiten die Grenze zur Kunst.

Seit einiger Zeit macht er parallel zu den Illustrationen freie
künstlerische Arbeiten. Trotzdem nennt er sich weiterhin Illustrator. Er
hält Illustration und Kunst nicht für Gegensätze, sondern für
gleichberechtigt, „wie ein Pingpong-Spiel“. Ping: eine Briefmarke für die
britische Royal Mail. Pong: drei Männer mit Tiermasken in einer abstrakten
Landschaft. „Je häufiger ich frei arbeite, desto mehr kommt der
künstlerische Aspekt auch in den Illustrationen rüber“, sagt er. Seinen
Auftraggebern gefällt das.

Olaf HajekDie erste Veröffentlichung: Im holländischen Playboy

Seit 17 Jahren arbeitet Olaf Hajek, 1965 im
schleswig-holsteinischen
Rendsburg geboren, nun als Illustrator. Eigentlich hatte er Kunst
studieren wollen, seine Eltern fanden das unvernünftig, daher wählte er
Grafikdesign. Nach dem Examen zog er nach Amsterdam, lebte von dem Geld,
das er sich während seines Studiums in Agenturen verdient hatte, und bot
seine Illustrationen an. Die erste Veröffentlichung: im holländischen
„Playboy“. Dann kamen bald „The New Yorker“ und „GQ“. Er hat sich nur bei
Magazinen vorgestellt, die er mochte. Also gleich oben angefangen. Das hat
sich ausgezahlt.

Arbeiten in der Einöde

Wenn man mit Olaf Hajek in New York telefoniert,
bekommt man den Eindruck
eines Jetset-Lebens. Doch das trügt. „Als Illustrator arbeitet man in der
Einöde“, sagt er. Deshalb teilt er sich seit acht Jahren das Atelier mit
Martin Haake, ebenfalls Illustrator. Sie können sich besprechen, obwohl
Haakes Arbeiten hauptsächlich am Computer entstehen.

Für Olaf Hajek dagegen ist das Haptische elementar: Pinsel, Farben, Strukturen. Er arbeitet mit Acrylfarben auf Papier, Holz oder Graupappe. Für seinen
Auftraggeber scannt er seine Bilder ein. Für seine Ausstellung kann er sie
direkt an die Wand hängen.

 

Text: Stefanie Dörre

 

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