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„Blackwater – Private military companies“ im Hau 3

kroesingertip: Ihr neues Theaterstück beschäftigt sich mit Unternehmen wie „Blackwater“. Was sind das für Firmen?

Hans-Werner Kroesinger: Das sind private Dienstleister in Sachen Gewalt. Ihre Mitarbeiter führen auf Auftrag Kampfeinsätze durch. Sie sichern Transportwege oder Erdölfelder. Und natürlich töten sie. Sie übernehmen alle Aufgaben einer Armee.
Auftraggeber sind Bürgerkriegsparteien, Unternehmen, demokratisch legitimierte Regierungen oder Diktaturen.

tip: Spielen für diese Kriegsdienstleister moralische Bedenken bei der Auswahl ihrer Auftraggeber eine Rolle?

Kroesinger: Das glaube ich nicht. Das sind Anbieter auf einem Markt, dem Gewaltmarkt: Krieg als Dienstleistung. Sie kämpfen für denjenigen, der sie bezahlt, mit Geld oder mit Rohstoffen, mit Schürfrechten, etwa für Diamanten.

tip: Militärische Gewalt als Ware, die man kaufen kann?

Kroesinger: Ja. Es ist ein Geschäft: Geld gegen Gewalt. Das ist ein relativ neuer Markt, der seit Ende des kalten Krieges stark expandiert. Professionell ausgeübte Gewalt ist eine Dienstleistung, die weltweit angeboten und nachgefragt wird, zum Beispiel von der US-Regierung im Irak.

tip: Weshalb geben die USA, das Land mit der stärksten Militärmacht der Welt, Milliarden Dollar für die Dienste privater Kriegs-Unternehmen aus?

Kroesinger: Im Irak kommt auf jeden dort stationierten US-Soldaten ein Söldner eines privaten Sicherheitsunternehmens. Es gibt die These, dass die US-Armee ohne die Unterstützung dieser privaten Militär-Anbieter nicht mehr voll funktionsfähig wäre. Auch die Obama-Administration engagiert solche Firmen. Diese Leute tauchen in keiner Statistik auf, wenn sie getötet werden. Sie bekommen kein Staatsbegräbnis, kein Politiker muss sich für ihren Tod verantworten. Und sie unterliegen nicht der Militärgerichtsbarkeit, ihnen wird juristische Immunität zugesichert. Sie agieren im rechtsfreien Raum.

tip: Das ist Outsourcing: Bestimmte militärische Dienstleistungen werden zu Privatanbietern ausgelagert.

Kroesinger: Bisher ging man vom Gewaltmonopol des Staates aus. Davon verabschieden sich Staaten, die Söldner engagieren. Man könnte sagen: Der Krieg wird privatisiert. Sicherheit ist eine boomende Branche. Einige dieser Gewalt-Anbieter sind an der Börse notiert oder Bestandteile grosser Konzerne. Blackwater-Söldner waren 2007 an einem Massaker an Zivilisten in Bagdad beteiligt. Die politische Diskussion, die das zur Folge hatte, sorgte dafür, dass sich Blackwater in „Xe Services“ umbenannte.

tip: Welches Material verwenden Sie in Ihrem Theaterstück?

Kroesinger: Wir arbeiten mit vielen Originaldokumenten. Wir haben zum Beispiel ein Interview, das Eric Prince, der Gründer von „Blackwater“, einem Waffenmagazin gegeben hat, in dem er relativ offen über sein Geschäftsmodell spricht. Es gibt interessante Bundeswehrstudien. Die Streitkräfte haben mittlerweile das Problem, dass ihnen die privaten Militär-Unternehmen die gut ausgebildeten Soldaten und Offiziere abwerben. Ein KSK-Soldat im Afghanistan-Einsatz verdient ein Bruchteil dessen, was er zum Beispiel bei Blackwater bekommen würde. Und er ist sehr viel besser abgesichert – von einer hohen Lebensversicherung bis zur juristischen Immunität. Anderes Material ist zum Beispiel ein Vertrag, den eine dieser Militärfirmen mit dem Staat Nigeria geschlossen hat, verschiedene Einsatzmeldungen oder ein Landsknechts-Tagebuch aus dem Dreissigjährigen Krieg, das sehr gut beschreibt, was ein Söldner eigentlich tut. Krieg als Geschäft zu betreiben, das ist ja wesentlich älter als Blackwater.

tip: Engagiert die Bundesrepublik Deutschland solche privaten Sicherheits-Unternehmen bei Auslandseinsätzen?

Kroesinger: Meines Wissens nach noch nicht. Aber wenn die Bundeswehr jetzt verkleinert wird, werden solche Anbieter natürlich attraktiv.

Interview: Peter Laudenbach

Foto: Jens Berger

Blackwater – Private military companies HAU 3, Do 4.-? So 7.11., 20 Uhr, Karten-Tel.: 25 90 04 27

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