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Blasmusik im Radialsystem

Blasmusikfestival_Michel-GodardDas Radialsystem ist seit Jahren nicht nur zunehmend ein Anziehungsort für Virtuosen der Neuen Musik, der Clubkultur und der zeitgenössischen Klassik. Sondern auch für ungeahnte Grenzgänge zwischen den Genres. Zu den Stammgästen gehört etwa die Capella de la Torre. Geleitet von der Oboistin Katharina Bäuml, bringt das Alte-Musik-Ensemble historische Instrumente mit der Klangsprache heutiger Komponisten zusammen. Jetzt hat Bäuml ein Festival initiiert, das einmal mehr die Ränder bekannter Sparten auslotet. „Blasmusik – Festival für Holz, Blech und Gemüse“, heißt der Titel mit leichter olfaktorischer Note. „Uns ging es darum, mal eine andere thematische Klammer zu finden, als man das von einschlägigen Festivals gewohnt ist“, erzählt sie, „Das verbindende Element sind dabei die Instrumente, die alle mit Luft zu tun haben – und mit Reinblasen.“

Dabei kommt es zum Zusammentreffen unterschiedlichster Charakterköpfe der Blasmusik: ob Alphorn-Virtuose Balthasar Streiff oder Jazz-Tubist Michel Godard (Foto), der an einem Abend mit Tuba, Serpent und Loopstation auf die historischen Klänge der Capella de la Torre trifft. Die Instrumente sind größtenteils von der Art, wie man sie kaum je zu Gehör und Gesicht bekommt: Mittelalterliches wie Schalmei, Pommer und Dulzian, daneben die türkische Zurna oder die „armenische Flöte“ Duduk. Dass zudem gar Gemüse spielbar ist, beweist das Wiener Gemüseorchester. Radi und Möhren etwa werden mittels Akkubohrer und Schneidemesser zu Flöten und Pfeifen, das Gurkophon kommt mit einem Schalltrichter aus roter Paprika daher. Was spaßig klingt, ist teils auch so gemeint. Doch reihen sich die Wiener Klangforscher mit ihren perkussiven Tracks letztlich schlüssig ins Zwischenreich von abstraktem Techno und der auf Alltagsklänge zielenden Moderne eines John Cage ein.

„Uns interessiert, welche Zutaten zusammenkommen müssen, damit wir die Leute ins Staunen versetzen“, sagt Katharina Bäuml. Dafür eignet sich besonders die Blasmusik-Nacht am 27. Juli ab 19 Uhr. Bei einem Wandelkonzert mit vielen kleinen Konzerten leitet Jazzer Godard eine finale Session aller beteiligten Musiker, samt Zurna und Alphorn: eine Premiere nicht nur für die Zuhörer, sondern auch die Solisten. Die Küchenmetaphorik passt prima zu den Wiener Gemüse-Musikern. Suppe wird es vermutlich auch irgendwann geben, schließlich gehört es zum Ritual des Orchesters, die vitaminreichen Reste kollektiv zu verwerten. Ein Stück Radi wird man dann vermutlich mit ganz neuen Assoziationen verzehren.    

Text: Ulrike Rechel
Foto: Michel Godard

 

BLASMUSIK – FESTIVAL FÜR HOLZ, BLECH UND GEMÜSE
mit Balthasar Streiff, Michel Godard, Capella de la Torre, The Vegetable Orchestra u.a.
Do 25. bis So 28.7.
Radialsystem V,
Karten-Tel. 288 78 85 88

 

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