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Kommentar

„Breitbeinig“ von Erik Heier

„Müller, Berlin“ stiefelt momentan derart breitbeinig ins Wahlkampf­finale, als würden sich die SPD-Umfragenwerte knapp unter der absoluten Mehrheit bewegen – und nicht in Nahsichtweite zu CDU und Grünen.

Erik Heier

Rustikaler hat sich lange kein Regierungschef vor einer Wahl durch die potenzielle Koalitionspartner-Riege geholzt. Den immer noch mit ihm regierenden Christdemokraten stellte Michael Müller die Scheidungspapiere mal eben per „Tagesspiegel“-Gastbeitrag zu. Dabei gestand der Regierende Bürgermeister seinem Innensenator Henkel im Text nicht ein einziges Mal den Vornamen Frank zu. Müllers Wortwahl von der „Henkel-CDU“ klingt auch mehr nach dem rituell verachtungsvollen  „Honecker-Regime“ eines Gerhard Löwenthal. Nicht nur bei den Grünen, Müllers Koalitionswunschpartner, fragen sie sich, was eigentlich die „Henkel-CDU“ von einer, sagen wir, „Grütters-CDU“ oder „Heilmann-CDU“ unterscheiden mag. Die Grünen wissen noch von der letzten Berliner Wahl, wie es sich anfühlt, früh schon Senatorenposten zu verteilen und hinterher die Oppositionsplätze sortieren zu müssen. Die ­Linke wird sich auch merken, dass Müller erst Rot-Grün-Rot als „Signal für die Bundesebene“ ausrief, die Dreierkoalition aber dann als „nicht wünschenswert“ einkassierte. Müller hat ja in einem Recht: Frank Henkel irrlichtert zwischen Burkaverbot und doppelter Staatsbürgerschaft ­herum. Außer der FDP wird niemand in Berlin mit ihm koalieren wollen. Müller ist damit aber von Grünen und Roten abhängig. Das werden die ihn nach dem 18. September spüren lassen. Jetzt erst recht.

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