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14. internationales literaturfestival berlin

14. internationales literaturfestival berlin

Zum 14. Mal öffnet das internationales literaturfestival berlin (ilb) seine Tore, und wieder einmal ist das Programm pickepackevoll. Übervoll sogar. So ist der eigentliche Festivalzeitraum zwar der 10. bis 21. September. Aber schon bevor die elf tollen Literaturtage am 10. September um 18 Uhr mit einer Rede des indisch-britischen Schriftstellers und Essayisten Pankaj Mishra eröffnet werden,  ist im Vorfeld im Haus der Berliner Festspiele viel los.
Zum Beispiel eine weltweite Lesung für den Whistleblower Edward Snowden (8.9., 19.30 Uhr), unter anderem auch mit einem Appell, Snowden für den Friedensnobelpreis in Betracht zu ziehen.
Womit gleich Fahrt aufgenommen und deutlich wird, wie viel politische Sprengkraft im ilb steckt. Literatur soll nicht bloße Lektüre sein, sondern Bewegung, eine geballte Ladung Aktion. Was vor allem in der Sparte „Literaturen der Welt“ zum Ausdruck kommt, wo renommierte wie gleichermaßen weniger renommierte Autoren tiefe Einblicke in ihre Heimatländer gewähren.
Wie etwa der mexikanische Schriftsteller Yuri Herrera (13.9., 18 Uhr), der mit seinem zweiten Roman „Der König, die Sonne, der Tod“ einen bitteren Unterweltcocktail aus Drogenbossen, Komplizenschaften, gefährlichen Neigungen und einem „Ort, an dem man Menschenherzen isst“, serviert. Ein weiteres Highlight: der im Londoner ?Exil lebende chinesische Autor Ma Jian (17.9., ?18 Uhr, Moderation: H. C. Buch), dessen ­Roman „Peking Koma“ die blutigen Ereignisse auf dem Platz des himmlischen Friedens 1989 wachruft.
Nicht zu vergessen die zahlreichen Autoren anderer Hotspots. Etwa der Iraker ­Ahmed Saadawi mit seinem Hauptstadtroman „Frankenstein in Bagdad“ (13.9., 21 Uhr) oder der Kenianer Mukoma Wa Ng?g? mit dem Roman „Nairobi Heat“ (20.9., 21 Uhr). Neben dem Multikulturellen darf das Multimediale nicht fehlen. Dafür steht etwa die Lesung des New Yorker Szeneautors Tao Lin (19.9., 19.30 Uhr), der als „IT-Boy“ und „Kafka der Generation Facebook“ gehandelt wird.
Ganz eigene Einblicke verspricht darüber hinaus die im letzten Jahr begonnene Sparte „Computerspiel“. Wird die Welt zum Spiel? Ballert man sich beim Kampfdaddeln das Gehirn weg? Fragen wie diese stehen im Mittelpunkt des Projekts, das mit gängigen Vorurteilen aufräumen will und eine Synthese zwischen Li­teratur und Computerspiel herzustellen versucht, indem sich auch 20 Autoren als Spieleentwickler gerieren. Stellvertretend sei Alban Nikolai Herbst herausgepickt, der sein mit seinem Sohn konzipiertes Orientierungsspiel „Durch die Städte“ vorstellt (16.9., ?18 Uhr).
Und nun zum Wetter. Bedrohung durch Überwachung. Durch Kriege. Soziale Ungerechtigkeiten. Bedrohung aber auch durch den Klima­wandel. Mit diesem globalen Thema setzt sich ein weiteres Projekt beim ilb, das „Weather Stations“ heißt, intensiv auseinander, bei dem zum Beispiel Mirko Bonnй mitwirkt. Ein anderes wichtiges Projekt heißt „Kulturen des Vertrauens“ (siehe oben), bei dem es um die Grundlage menschlichen Zusammenwirkens geht, aber auch um Missbrauch und spirituelle Gefolgschaft.
Und weil sich das ilb auch dem Mitmachen verschrieben hat, gibt es im Rahmen von „Berlin liest“ für jeden Interessenten die Möglichkeit, selbst die Bühne zu rocken. Als Vorleser nämlich. In einer groß angelegten Leseperformance am Eröffnungstag von 6 bis 17.30 Uhr. Wie schon in den vergangenen beiden Jahren, wo die ganze Stadt zur Lesebühne wurde.    

Text: Andreas Burkhardt

Foto: Hartwig Klappert/ilb

14. Internationales ?literaturfestival Berlin Haus der Berliner Festspiele (Hauptveranstaltungsort), Mi 10.–So 21.9., www.literaturfestival.com

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