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14. Poesiefestival Berlin

PoesiefestivalSie lieben die deutsche Sprache, aber ein Wort können sie echt nicht mehr hören: Integration. Younes Al-Amayra und Youssef Adlah organisieren mit ihrem Team i,Slam, einen muslimischen Poetry-Slam. Auf der Bühne stehen Muslime, das Publikum ist quer gemischt, alle Texte sind auf Deutsch. Im Rahmen des Poesiefestival Berlin wird nun am Nachmittag des 8. Juni in der Akademie der Künste der beste deutschsprachige muslimische Slammer gekürt.
Damit passt der i,Slam trefflich ins Programm. Beim Festival, das vom 7. bis 15. Juni stattfindet, liegt in diesem Jahr nämlich ein Fokus auf Spoken-Word-Literatur. Ebenfalls am 8. Juni moderiert zum Beispiel Julian Heun die Slam-Poetry-Gala. Thema: Heimat und Nomadentum.

Und am 13. Juni kommen die Wortartisten sogar aus vier Kontinenten. Für Kosal Khiev aus Kambodscha haben sich dank Poesie im Gefängnis neue Welten aufgetan, die US-Amerikaner Ise Lyfe und Reverend Aden setzen als Streetworker auf HipHop und Poesie, Ana Tijoux aus Frankreich und Amewu aus Deutschland rappen. Die erste Veranstaltung an diesem Tag heißt übrigens sinnig: „Poems are bullshit, unless they teach.“ Gedichte brauchen eine Botschaft.
Beim i,Slam ist das ganz ähnlich. Auf die Idee des ungewöhnlichen muslimischen Wettstreits kamen Adlah und Al-Amayra 2011, heute besteht die Community aus rund 40 Poeten. Viele Slammer sagen, sie hätten durch das Projekt eine engere Beziehung zur Sprache gewonnen, andere auch eine stärkere Motivation, zur Schule zu gehen. Das i,Slam-Prinzip: Pro Slam-Abend treten neun Poeten an, jedem bleiben sechs Minuten Zeit, das Publikum zu begeistern. Für das Finale auf dem Poesiefestival haben sich neun Gewinner der lokalen Vorrunden aus ganz Deutschland qualifiziert. Dort war viel Lokalpatriotismus zu spüren: „Muslime identifizieren sich oft stärker mit ihrer Stadt als mit Deutschland insgesamt“, sagt Al-Amayra. Zum Finale werden nun 500 Gäste in der Akademie der Künste erwartet.

Muslime auf die Bühne holen

Die Idee hinter dem i,Slam war und ist, Muslime auf die Bühne zu holen. Bei manch anderen Slams gehe es nur um die besten Pointen, ernste Themen fielen durch, so die Macher. Bei ihrem Slam gelten die „5 Säulen des i,Slam“: So sind etwa Beschimpfungen, Propaganda für Gewalt oder Drogen tabu, Alkohol wird nicht ausgeschenkt. Dass Mädchen, mit oder ohne Kopftuch, und Jungen auf der gleichen Bühne slammen, versteht sich für die i,Slammer hingegen von selbst: „So sieht der Islam aus, wenn man ihn lebt, fernab der Bilder, die durch die Presse gehen“, sagt Adlah.

Die Texte handeln nicht zuletzt von Diskriminierung. Manchmal bringt das den Slammern auch den Vorwurf einer „typischen Opferhaltung“ ein. Damit wird man den Texten aber nicht gerecht, denn die sind oft voller groteskem Witz. Einmal geht es um einen Jungen, der vermeintlich seiner Freundin erzählt, wie er sie ausziehen will – ein Skandal vor so vielen Muslimen im Publikum. Doch dann entpuppt sich die Freundin als Schuh, den der Junge ablegt. Soll heißen: Ihr verurteilt das, was sich in euren eigenen Köpfen abspielt!
Viele Gedichte hinterfragen den Islam, und wie er praktiziert wird. Aber das ist kein Dogma. Youssef Adlah sagt: „Man kann auch mit einer Geschichte über Walfang in Timbuktu kommen.“      

Text: Stefan Hochgesand
Foto: Imago gezett

14. Poesiefestival Berlin
Akademie der Künste, Hanseatenweg 10, Tiergarten, und andere Orte, www.poesiefestival.org
Fr 7.–So 15.6.,

i,Slam beim Poesiefestival

Akademie der Künste (Studio), 8.6., 15 Uhr, www.i-slamm.de

 

Mehr:

Lange Buchnnacht in der Oranienstraße, 8.6. 2013

Kultur und Freizeit in Berlin

 

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