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Amerikanischer Idiot im Kreissaal

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Mit „Slam“ hat Nick Hornby einen Roman über Teenagerschwangerschaften geschrieben

Unter all denen, die damit kokettieren, dass sie eigentlich erwachsen werden sollten, ist Nick Hornby ein Autor, der über das sogenannte „Kind im Mann“ und dessen Egozentrik tatsächlich glaubhaft schreiben kann. Zuverlässig löst er diese „Genauso war es bei mir“-Empfindungen aus. Nachdem Hornby mit „How to be Good“ erstmals aus der Perspektive einer Frau erzählte, steht der 50-Jährige mit Slam vor seiner größten Herausforderung: der Geschichte einer Teenagerschwangerschaft, berichtet aus der Sicht des 15-jährigen Vaters, dem um Coolness bemühten, aber beirrbaren Sam, der sich nur schwer vorstellen kann, sein Skateboard gegen ein Baby einzutauschen.

Eine Story also, in der sich Hornby eine Hauptfigur vornimmt, deren Realitätsverweigerungen und sexuelle Unsicherheiten altersangemessen sind – und die erwachsen werden muss, aber eben noch nicht erwachsen sein sollte.

Doch wie lässt sich Jugendsprache verwenden, ohne dass es so klingt, als schreibe man aus einem Lexikon ab? Hornby tut sich schwer. Sobald Sam vorlaut klingen soll, wirkt er so konstruiert naiv, als würde ein gelangweilter Erwachsener reden wie ein Kind aus dem Rollenkatalog: „Es gibt viele geschichtliche Sachen, die nicht langweilig sind, der Zweite Weltkrieg und so.“ So, so. Dass „Slam“ zudem eine Gesellschaftskritik beinhaltet – die bildungsbürgerlichen Eltern von Sams schwangerer Freundin Alicia würden den „Kapuzen-Proll“ am liebsten entrechten – , geht bei dieser Lamoryanz unter.

Hornbys Stärke dagegen, schon bei seinem Debüt „Fever Pitch“ gepflegt, ist der außer Kontrolle geratende, tragikomische Dialog: Die Loserfigur, von der niemand etwas Edles erwarten würde, geht mit gutem, bis ins Detail geplantem Vorsatz ins Gespräch und steht am Ende doch wieder nur wie der Obertrottel da. Solche hochklassigen Momente gibt es hier zuhauf. Am witzigsten der, als Sam im Kreissaal seiner Alicia beistehen will, und, damit si eein „bisschen Energie tanken“ kann, Skate-Musik б la Green Day auflegt. „Stell das aus, bevor ich Dich kaltmache“ herrscht sie ihn an, „ich will nichts über amerikanische Idioten hören“.

Auf den „American Idiot“ folgt „Sexy Back“ und Hornby schließt mit dem grandiosen Vergleich: „Kein Mensch will das Wort Sex hören, während er gerade ein Kind kriegt, man will ja auch keine McDonald’s-Werbung sehen, während man such übergibt“. Das stimmt. Und das hätte auch ein Erwachsener nicht anders gesagt.

Nick Hornby, „Slam“, Kiepenheuer & Witsch, 324 Seiten, 17,95 Ђ. 

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