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Antrittsvorlesung von Rainald Goetz

Goetz_Rainald_c_Suhrkamp_VerlagVielleicht ist ein Vorlesungspult der größte anzunehmende Gegensatz zu Rainald Goetz. Ein Pult bezwingt Bewegungsdrang. Es entschleunigt. Goetz dagegen ist der rastlose Jetztzeit-Sampler (zuletzt erschienen 2008 „loslabern“ und 2010 die Bildersammlung „elfter september 2010“), der seine Erlebniswelt – Clubs, Partys, Vernissagen, Politikevents, natürlich auch Lesungen – bergeweise zu Notizen oder Fotos auftürmt, sie im Wortsinne eintütet, wo immer er sich ihr aussetzt. Der die Reflexzonen der Wirklichkeit drückt und nachspürt, wo es zuckt. Im Herbst erscheint sein neuer Roman „Johann Holtrop“. Goetz sucht die Öffentlichkeit der anderen, meidet sie aber nach Kräften, wo sie ihn selbst in den Mittelpunkt befördert. Öffentliche Auftritte (wie neulich an der Humboldt-Uni bei den Mosse-Lectures) sind rar. Aber weil der Berliner Literaturpreis nun einmal auch die Heiner-Müller-Gastprofessur an der Freien Universität mit sich bringt, hält der promovierte Historiker und Mediziner eben am 10. Mai seine Antrittsrede. Das Thema heißt: „Leben und Schreiben. Der Existenzauftrag der Schrift“. Man kann sich dabei alles Mögliche vorstellen. Zum Beispiel, wie Goetz vor ein paar Jahren, frustriert von einem siebenjährigen Buchprojekt, das sich einfach nicht zu einem Roman fügen wollte, sogar über eine Rückkehr in den Arztberuf nachdachte. Aber wenn es bei ihm eine sichere Erwartung gibt, dann die: dass sie trügt. Dass alles doch ganz anders wird.

Text: Erik Heier

Foto: Suhrkamp Verlag

Antrittsvorlesung von Rainald Goetz zur Heiner-Müller-Gastprofessur für deutschsprachige Poetik Freie Universität Berlin, Hörsaal 1b, Habelschwerdter Allee 45, Zehlendorf, Do 10.5., 18 Uhr

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