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Art Spiegelman: „Im Schatten keiner Türme“

Spiegelman_PresseDer New Yorker Zeichner Art Spiegelman hat den mörderischen Anschlag selbst erlebt, er flüchtete vor der Staubwolke und bangte um das Leben seiner Kinder, die nicht weit der Unglücksstelle in der Schule waren. Immer dann, wenn Weltgeschichte auf die eigene Geschichte träfe, entständen Brüche in der Biografie, schreibt er im Vorwort seines 2004 abgeschlossenen, auf Deutsch jedoch erst jetzt veröffentlichten Comics „Im Schatten keiner Türme“. Brüche wie die Verfolgung seines Vaters durch die Nazis, die Spiegelman vor über 25 Jahren zu einem Meilenstein der Comicgeschichte inspirierte, seiner mit dem Pulitzerpreis ausgezeichneten Graphic Novel „Maus“. Diesmal stand er im Angesicht des Todes und schwor sich noch an jenem Tag, wieder ein Comic zu machen, statt sich nur auf die Gestaltung von Titelbildern für den „New Yorker“ zu beschränken. Er wollte der Panik und Hysterie Ausdruck verleihen, aber auch seiner Liebe zu der Stadt, seiner Heimat. Spiegelman schöpfte aus der chaotischen Ästhetik von Zeitungsseiten, nutzte Archivmaterial und arbeitete Referenzen aus der Comicgeschichte in die zehn großformatigen Tafelbilder, die von Comicstrips aus dem frühen 20. Jahrhundert ergänzt werden. Comicgeschichte trifft hier auf Weltgeschichte. Spiegelman ist darin einer der Besten. Der Allerbesten.

Text: sla

Art Spiegelman: „Im Schatten keiner Türme“ Atrium-Verlag, 42 Seiten, 34,90 Ђ

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