Adaptionen

Aus Comic wird Film

Es müssen nicht immer Superheldenfilme sein. Eine Auswahl an aktuellen und älteren Comicverfilmungen

Carlsen

Comics, so heißt es oft, seien der kleine Bruder des Films. Das ist natürlich ein großer Quatsch, eher haben Comics von der Aufstellung der Figuren und den Dialogen her etwas mit Theater zu tun. Aber Comics wurden und werden gerne zu Filmen verarbeitet, mal mehr, mal weniger erfolgreich.

Aktuell tummeln sich mit „Valerian“, „Atomic Blonde“ und „Wilson“ gleich drei höchst unterschiedliche Comicverfilmungen in den Kinos. Luc Bessons Traumprojekt etwa hat als Vorlage einen SciFi-Comic, der in Frankreich seit 1968 sehr bekannt ist und der auch in Deutschland seit 40 Jahren kontinuierlich veröffentlicht wird. Und genau wie der „Valerian“-Zeichner Jean-Claude Mézières, der sich immer mehr vom franko-belgischen Stil der École Marcinelle entfernte und mit der Zeit ein Kiffer-Layout bevorzugte, entfacht auch Regisseur Luc Besson in seinem Film einen Bildersturm, wie man ihn selten im Kino gesehen hat.
„Atomic Blonde“ dagegen, beruht auf dem äußerst spartanischen und ziemlich sperrigen schwarz-weiß Comic „The Coldest City“ von Anthony Johnston und Sam Hart, in dem es um eine MI6-Spionin geht, die im Berlin des Wendeherbstes nach einer Liste von Agenten jagt. Produzentin und Hauptdarstellerin Charlize Theron ließ sich die eher ruhige Story auf den sportlichen Leib umschreiben und brachte eine Art John le Carré auf Speed ins Kino.
Der letzte im Bund aktueller Comicverfilmungen ist schließlich das Psychodrama „Wilson“ mit Woody Harrelson; das Drehbuch richtete „Wilson“-Zeichner und -Autor Dan Clowes gleich selber ein, das hatte er bereits für den Film „Ghost World“ gemacht und dafür sogar eine Oscar-Nominierung eingesackt. Und während der Comic schon sehr schlecht gelaunt rüberkommt, schafft Harrelson es immerhin, etwas Sympathie und Humor für seine die Welt hassende Hauptfigur zu erzeugen. An die Tiefe und Melancholie von „Ghost World“ (2001) kommt „Wilson“ leider nicht heran.

Ein großer Melancholiker und selbstironischer Beschreiber seiner Selbst war auch der inzwischen verstorbene Comickünstler Harvey Pekar. In „American Splendor“ (2003) spielte er sich selbst, wurde aber auch kongenial von Paul Giamatti porträtiert. Der Film war ein grandioses Spiel zwischen Realität und Kunst, Autobiografie und Erzählung, der seine Geschichte auf vielen Ebenen abspult – Real- und Zeichentrickfilm, ein im Film eingebauter Kommentar, eine Theaterinszenierung, – jedoch nie den roten Faden verliert.

Pekar hatte in Deutschland leider nie den Erfolg, den er eigentlich verdient hätte, das verbindet ihn mit dem großen amerikanischen Krimi-Autoren und -Historiker Max Allan Collins. Sein „Road To Perdition“ , von Sam Mendes im Jahr 2002 – lange vor seinem James-Bond-Ruhm – mit Tom Hanks, Paul Newman, Daniel Craig und Jude Law verfilmt, ist eine meisterhafte Konstruktion. Eigentlich der Spin-off eines Spin-offs von Collins’ „True Crime“-Serie ist die Gangsterballade gleichzeitig eine Huldigung an Japans bekanntesten Manga „Lone Wolf And Cub“, der auch mehrfach erfolgreich verfilmt wurde.

All diese Comics verbindet, dass sie zur Independent-Szene gehören. Da mutet es fast wie ein Witz an, dass ausgerechnet Disney, denen heute die gesamten Marvel-Superhelden gehören, bereits 1991 einen Comic verfilmte, der geschickt und charmant Mainstream- und Independent-Szene verschmolz: „Rocketeer“ läuft heute manchmal um die Nazi-Szenen gekürzt im TV-Nachmittagsprogramm, und auch die deutsche Ausgabe war nicht gerade ein Verkaufsrenner. Wer die liebevolle Hommage an das Hollywood der 40er Jahre jedoch kennt, der weiß: Es müssen nicht immer Superhelden-Comics sein aus denen gute Filme werden. Sie dürfen aber durchaus dabei sein.

Mehr über Cookies erfahren