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Beate Teresa Hanika: „Nirgendwo in Berlin“

nirgendwoBerlin ist blöd. Und die Erwachsenen sind es noch viel mehr. Findet jedenfalls Greta. Nach der Trennung ihrer Eltern ist die 15-Jährige mit ihrer Mum Moa nach Prenzlauer Berg gezogen. Mutti will durchstarten. Als Journalistin. Hat auch bald den Chefredakteur im Bett. Und leider so gar keine Zeit mehr für ihre Tochter. Um neue Freunde zu finden, bleiben gerade mal sechs Wochen Sommerferien. Die zwei Jahre jüngere Cindy aus dem Stock drunter kommt nicht in Frage. Auch nicht Konrad aus der Etage drüber. Weil er erst aus dem Jugendheim entlassen wurde, wohnt er mit dem süßen Betreuer Mischka in der Wohnung. Der bleibt dann erst mal der einzige Lichtblick für Greta.

Die Ausgangsposition im dritten Jugendroman der bei Regensburg lebenden Beate Teresa Hanika scheint klar. „Nirgendwo in Berlin“ ist Hoffnung in Sicht. Kein soziales Netz fängt die Fremde auf. Zum Glück gibt es ein anderes Netz: die virtuelle Welt. In der verstrickt sich Greta zunehmend. Sie chattet im Internet. Lernt endlich eine Freundin kennen. Doch die verschwindet. Das Letzte, was sie von ihr hört, ist, dass sie sich mit einem Typen aus dem Netz zu einem Treffen verabredet hat. Was geschah danach? Mit Hund Buster und der kleinen Klette Cindy beginnt Greta zu ermitteln. Nach Missbrauch durch den Großvater („Rotkäppchen muss weinen“) und den Ausbeutungen der Modelbranche („Erzähl mir von der Liebe“) nimmt sich Hanika jetzt also die Gefahren des Internets vor. Passt übrigens zufällig auch zur Debatte um Mobbing-Plattformen.

Fast zu offensichtlich warnt die 1976 geborene Autorin, die selbst als Model und Fotografin arbeitete, ihre jugendlichen Leser.
Recht schnell ist klar, worauf der Roman rauswill. Schwerer aber wiegt, dass es in Hanikas Buch keine einzige positiv besetzte Männerfigur gibt. Sie sind nicht da. Wie die Väter. Oder sie sitzen im Unterhemd mit Bier und schwitzigen Fingern vor dem Computer und chatten mit Minderjährigen. Ob solche Rollenklischees in einem Jugendbuch wirklich Sinn machen? Teenager haben’s schwer (wie wahr!). Und die Welt ist schlecht von Anfang an (ist das so?). Der Tenor von Beate Teresa Hanikas Buch ist ein bisschen eindimensional. Weder die Welt der Erwachsenen lässt sich so einfach in Gut und Böse unterteilen. Noch die der Jugendlichen.

Text: Welf Grombacher

Foto: Plainpicture/ TanjaB.

tip-Bewertung: Annehmbar

Beate Teresa Hanika: „Nirgendwo in Berlin“ Fischer Schatzinsel, 270 Seiten, 13,95? Ђ

Lesung mit Beate Teresa Hanika und Meike Fabian, Buchhandlung Gralla, Hindenburgdamm 42, Steglitz, Fr 6.5., 19.30 Uhr

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