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Ben Wagin: „Nenn mich nicht Ku?nstler“

Ben Wagin:

Rund 50.000 Bäume (bevorzugt Ginkgos) hat Ben Wagin in ganz Europa gepflanzt. Wagin steht für interventionen im öffentlichen Raum. Seine Ausstellungen inszeniert er, sie werden zum Happening. Seine Genre u?bergreifenden Projekte treibt er mit Hartnäckigkeit und Findigkeit voran, schafft Netzwerke, macht sich wenn nötig auch zum Medienclown – und ist ein Albtraum für die Bürokraten, denn offizielle Genehmigungen interessieren ihn nicht. Das hat ihm oft genug Anzeigen und Gerichtsprozesse eingebracht. Die „Poesie der Straße“ fasziniert ihn, er sammelt ein, was die Stadt ausspuckt. Um Wagin herum wuchert es, die unglaubliche Dichte an Fundstücken, die ihn umgibt, bedeutet für ihn Leben. Wie seine Bäume tief verwurzelt in seinem Tun behält er dennoch immer den Blick des radikalen Außenseiters, er provoziert, stellt in Frage, sucht den neuen Ansatz. Kunst ist für ihn subjektiver Dialog zwischen Mensch, Welt und Material.
Sobald der Verwertungsgedanke dabei ins Spiel kommt, wird ihm unbehaglich. Wagin ist einerseits skeptisch gegenu?ber Festlegungen, Zeichen und Begrifflichkeiten, andererseits muss er sich ihrer bedienen. Wo es nur geht vermeidet er Substantive. Das gibt dem Erzählen
einen angenehmen Fluss, der mit sich nimmt, was zufällig seinen Weg kreuzt – und schon beginnt ein neues Kapitel. Ben Wagin legt in diesem Buch seine künstlerischen und politischen Überzeugungen offen, die ebenso anregen wie verstören können und wollen.

„Nenn mich nicht Künstler“, Autobiografie, Aufgezeichnet von Astrid Herbold, Ch. Links Verlag, 19,90 Euro

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