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Berliner Autoren: Leonhard Lorek

Leonhard Lorektip: Nennen Sie uns bitte einen guten Satz aus Ihrem Buch?

Leonhard Lorek: Das mit den Schönheitswettbewerben bringt bloß Ärger. Bei den Griechen sogar Krieg. Die nächste Frage, bitte.

tip: Ihre Gedichte stammen teilweise noch aus den 80er-Jahren. Wieso haben Sie Ihrem lyrischen Debüt bis jetzt, jenseits der 50, Zeit gelassen??

Lorek: Es ist ja nicht so, dass da nichts veröffentlicht worden wäre über die Jahre. Vieles davon ist auf gut einen Regal-Meter Anthologien verteilt. Aber alles passend beieinander zu haben, braucht es schon die richtigen Leute, die einem dabei helfen; so auch den richtigen Verleger, der einem zur richtigen Zeit sagt: „Du machst es jetzt. Es ist eine gute Zeit für Gedichte.“

tip: „Gute Gedichte“, schreiben Sie im Auftaktessay ihres Bandes, „wirken wie Calgon“. Das müssen Sie uns erklären.

Lorek: Für mich haben gute Gedichte in etwa so zu wirken: Kalk lösend, Verkrustungen aufhebend. Ansonsten taugen sie nichts. Genau daher aber rührt wohl auch die weit verbreitete Angst vor Poesie. Denn was der einen Kalk ist, ist dem anderen Halt, Stabilität oder genauer: die Suggestion derselben. Ein Korsett für die Psyche, das zumindest ein Zurschaustellen von Haltung möglich macht. Gute Gedichte sollten nicht dazu taugen, einen ruhigzustellen.

Fragen: rik

Foto: Alexander Janetzko

Leonhard Lorek: „Daneben LieGen“ Verbrecher Verlag, 144 Seiten, 19? Ђ

Lesung
Monarch, Skalitzer Straße 134, Kreuzberg, Di 28.12., 20.30 Uhr

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