Bücher

Berliner Büchernacht in der Kulturbrauerei

c_Tobias_BohmUnd das nicht nur literarisch. Rund um Buch und Wort gibt’s auch Live-Konzerte und Filme Grabsteine, DDR, Liebe, Triebe, Glück, geschlechtsspezifische Nahrungsvorlieben, gequälte Schriftsteller: Alles, was reingeht, passt schon. So ungefähr lässt sich das Themenspektrum bei der 3.?Großen Berliner Büchernacht am 9. Juni in der Kulturbrauerei umreißen. „Wir haben den Abend bewusst nicht unter ein Motto gestellt“, sagt Birgit Reuß vom Veranstalter, dem Börsenverein des Deutschen Buchhandels. „Aktualität war dieses Jahr das Wichtigste. Erstmals haben die Verlage das Programm gestaltet, sie wissen, was gefragt ist. Diesmal sind viele junge Autoren und zwei Previews dabei.“ Und jede Menge Lokalkolorit. Neun der 16 Büchernacht-Autoren sind nämlich Berliner. So wie der Bachmann-Preisträger von 1996, Jan Peter Bremer, der in einer Preview seinen im August erscheinenden neuen Roman „Der amerikanische Investor“ vorstellt (20.30 Uhr, Soda Lounge). Held des witzigen Romans ist ein Berliner Schriftsteller. Vergeblich sucht er nach dem ersten Satz, während unter ihm der Boden wegsackt. Schuld ist ein amerikanischer Investor, der das Haus saniert. Alle scheinen gegen ihn zu sein, sogar der Hund.
Bereits in den Feuilletons gelobt wurde Peggy Mädlers Debütroman „Legende vom Glück des Menschen“ (22 Uhr, Alte Kantine). Die gebürtige Dresdnerin nennt Berlin „eine Stadt der vielen Möglichkeiten“. Was sie sehr genießen würde: „Man kann hier auf unterschiedlichste Art und Weise sein Glück finden oder verpassen.“

Weitere Hauptstadt-Pflichttermine: Der Universalunternehmer, Möbelhändler und Autor Rafael Horzon liest aus „Das weiße Buch“, gemeinsam mit Schauspieler Marc Hosemann (22.30, Maschinenhaus), Kathrin Schmidt aus ihrem Erzählband „Finito. Schwamm drüber“ (19 Uhr, Alte Kantine). Namhaft ist auch, was da so an Nicht-Hauptstädtern anreist. Zum Beispiel präsentiert der nicht zuletzt durch seine „druckfrisch“-Sendung in der ARD bekannte Literaturkritiker und bekennende Gourmet Denis Scheck mit der Ärztin Eva Gritzmann das gemeinsame Buch „Sie & Er – Der kleine Unterschied beim Essen und Trinken“ (19 Uhr, Soda Lounge). Und der österreichische Dramatiker Clemens J. Setz bringt seinen Erzählband „Die Liebe zur Zeit des Mahlstädter Kindes“ mit, für den er im Frühjahr den Belletristik-Preis der Leipziger Buchmesse erhielt (19.30 Uhr, Maschinenhaus).

Und noch ein Buchmessen-Hauptdarsteller kommt nach Berlin: das Blaue Sofa, seit 1999 Präsentier-Sitzmöbel für Top-Autoren und deren Bücher auf den Frankfurter und Leipziger Buchmessen. Wieder dabei ist, wie schon bei den ersten beiden Büchernächten, die beliebte „Textbox“. Im Plexiglas-Kasten treten in diesem Jahr die Poeten des Kollektivs „Word Alert“ auf, die Gewinner des Zürcher Poetry Slam Festivals 2010. Der Clou: Jeder kann den Word-Artisten in der Box zwar sehen – hören aber nur, wer dazu auch einen Kopfhörer ergattern kann. Dann allerdings in feinster Studio-Qualität. Als spreche der jeweilige Dichter nur zu ihm. Zum Programm gehören aber auch Musik und Filme rund um Buch und Wort. Im Kesselhaus treten Christiane Rösinger, gemeinsam mit Ja, Panik-Kopf Andreas Spechtl (20 Uhr), und die für ihre ausgefeilten Lyrics bekannte Kölner Band Erdmöbel auf (21.30 Uhr). Ein Highlight im Kino ist der Gewinner des Berlinale-Publikumspreises, „Im Himmel, unter der Erde“, ein Porträt des verwunschenen Jüdischen Friedhofs Berlin-Weißensee (20 Uhr). Im Anschluss gibt’s ein Gespräch mit der Filmemacherin und Autorin Britta Wauer. Sie stellt auch ihr wunderbares Foto-Buch „Der jüdische Friedhof Weißensee“ vor (19.30 Uhr, Club 23). Es erzählt die Geschichten hinter den Grabmalen – schreckliche, aber auch schöne. Eben alles, was dazugehört.

Text: Maike Grunwald

Foto: Tobias Bohm

3. Große Berliner Büchernacht  Kulturbrauerei, Do 9.6. ab 19 Uhr, www.berlinerbuechernacht.de

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