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Die Berliner Comic-Verlage schauen optimistisch in die Zukunft

Trotz Pandemie kamen die Berliner Comic-Verlage gut durchs Jahr. Bei einem Branchentreffen in Wedding ging es um Jubiläen, Corona und Highlights aus den neuen Programmen.

Berliner Comic-Verlage präsentieren neue Bücher: Mawils „Power-Prinzessinnen-Patrouille“ dürfte kleine Leser ziemlich begeistern. Illustration: Mawil/Reprodukt
Mawils „Power-Prinzessinnen-Patrouille“ dürfte kleine Leser ziemlich begeistern. Illustration: Mawil/Reprodukt

Für die Berliner Comic-Verlage gibt es 2021 viele Gründe zu feiern

Ende September in der Badstraße, die Bibliothek am Luisenbad ist prall gefüllt. Auf dem Hof präsentiert sich ein knappes Dutzend Comic-Verlage mit Büchertischen. Oben im Saal gibt es Vorträge, neue Bücher werden vorgestellt, beim zentralen Talk geht es um die Situation der Branche und es gibt 2021 viele Gründe zu feiern.

Der Reprodukt-Verlag blickt auf 30 Jahre zurück, Avant feiert den 20. Geburtstag und Jaja wurde dieses Jahr zehn. Als Senior in der Runde kommt die Edition Moderne aus Zürich hinzu, dort begann das Abenteuer mit der grafischen Literatur bereits 1981.

Was die Verlage vereint, ist die Lust auf spannende, ungewöhnliche und anregende Titel, auf Comics, die sich mit komplexen Themen auseinandersetzen, auf Künstler und Künstlerinnen, die zeichnerisch neue Wege beschreiten und auf Themen, die Lebenswelten jenseits der großen Erfolgsserien von Disney und Marvel behandeln. Es geht um Comics, die es geben sollte, wie an einer Stelle der Avant-Chef Johann Ulrich postuliert. Ob die Titel sich gut verkaufen, ist eher zweitrangig. 

Comics aus Berlin: Die Stoffe sind politisch, historisch und biografisch

So hat bei Jaja die junge Zeichnerin Greta von Richthofen in „Das Gute am Ende des Tages“ ihre Erfahrungen mit der Pandemie dokumentiert, Reprodukt bringt noch im Oktober den dritten Band von Igorts
„Berichten aus Japan“ heraus und bei Avant erscheint mit Lea Loos’ Comic „Widerstand ist zwecklos“ eine Auseinandersetzung mit gewaltlosen Protestaktionen, ausgehend von Gewaltausschreitungen während einer Demonstration von den Bewohnern und Bewohnerinnen eines Pflegeheims.

Die Stoffe sind politisch, historisch und biografisch, sie nehmen Debatten auf und sind Teil von kulturellen Diskursen. Doch noch um das Jahr 2000 waren solche Werke, die heute selbstverständlich als Graphic Novels zum Literaturbetrieb gehören, in Deutschland kaum verbreitet.

"Im Spiegelsaal" – Das neue Werk von Liv Strömquist. Illustration: Liv Strömquist/Avant
„Im Spiegelsaal“ – Das neue Werk von Liv Strömquist. Illustration: Liv Strömquist/Avant

Vor allem dank der Berliner Verlage hat sich die Situation gewandelt. Sie führten zeitgenössische Graphic Novels aus dem Ausland ein, unterstützten junge Talente und prägten mit ihrer Arbeit so auch die Entwicklung der deutschen Comic-Kunst insgesamt.

Dazu gehört eine Menge Mut und Idealismus, und weil sich die Comic-Branche sowieso mit Engpässen, kleinen Auflagen und knappen Budgets auskennt, kam sie mit den Herausforderungen der Corona-Pandemie gut zurecht. Einige Titel hat man verschoben, aber da der Buchhandel geöffnet blieb und Online sowieso alles weiterging, die Bestellungen sogar stiegen, verzeichneten Reprodukt, Avant & Co. nur geringe Einbußen. So blickten die Verleger und Verlegerinnen beim Podiumsgespräch zuversichtlich in die Zukunft und stellten Highlights aus ihren Programmen vor: 

Bei Reprodukt dürfen sich kleine Leser, für die die Berliner Verlage traditionell viel Raum lassen, mit „Mauer, Leiter, Bauarbeiter“ und „Power-Prinzessinnen-Patrouille“ auf zwei neue Kindercomics des Berliner Zeichners Mawil („Kinderland“) freuen. Die Vordenkerin des modernen Feminismus im Comic, Liv Strömquist, beschäftigt sich in ihrem neuen Buch „Im Spiegelsaal“ mit den Veränderungen unseres Schönheitsempfindens. Ebenfalls bei Avant erscheint Jochen Voits und Sophia Hirschs gezeichnete Ernst-Busch-Biografie. 

Um die Berliner Comic-Szene ist es gut bestellt!


Mehr Literatur in Berlin

„Verlagswesen“ – Der Comic zum 10. Geburtstag des Neuköllner Jaja Verlags. Diese Buchhandlungen in Berlin haben es uns angetan. Natürlich muss es nicht ausschließlich trockener Text sein, immerhin gibt es viele Berliner Comicläden mit schönen Bildergeschichten. Genauso schön wie lesen: Briefe schreiben, auf Papier! Hier stellen wir euch 12 Berliner Papeterien vor, die euch mit tollem Zubehör rund ums analoge Schreiben ausstatten. Und solltet ihr euch über Neuerscheinungen oder Autor:innen informieren wollen, könnt ihr hier alle Texte rund um Bücher finden.

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