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Berni Mayers „Mandels Büro“ bleibt diffus

Muellers_Buero_c_Concorde-FilmKrimiparodien sind eine heikle Sache. Meist sind sie weder besonders lustig, noch in irgendeinerweise spannend. Berni Mayers Genre-Veralberung „Mandels Büro“ bildet da keine Ausnahme. Schon der Titel, eine Hommage an das österreichische Filmmusical „Müllers Büro“ aus den 80er, lässt wenig Gutes ahnen. Auf dem Cover drohen ein Hackebeil und der Verlagsslogan: „Die Rock’n’Roll-Detektive legen los“.

Zunächst sitzen die beiden ehemaligen Musikjournalisten Max Mandel und Sigi Singer jedoch in ihrem frisch eröffneten Detektivbüro und warten, bis eine – klar – superattraktive Blondine durch die Tür schwebt. Die Frau, eine prominente Schauspielerin, die mit einem ebenso prominenten Rockstar liiert ist, möchte ohne Verluste aus dem Ehevertrag aussteigen und braucht juristisch verwertbare Beweise für die berüchtigten Affären des exzessorientierten Gatten. Die beiden Branchenkenner haben ihren ersten gut bezahlten und nicht allzu schwer anmutenden Fall. Doch bald liegt der schnöselige Deutschpunker zerstückelt im Koffer der Bassdrum seiner Band. Die Schauspielerin wickelt Detektiv Singer um den Finger. Zudem interessiert sich nicht nur der Labelchef, sondern auch eine Gruppe von Neonazis für verschollene Aufnahmen des unerwartet verstummten Sängers. „Rechtsekzeme“ – das ist in etwa das Humorpotential der zahnlosen Satire. Das Restaurant Borchardt heißt hier„Poschardt“, der angesagteste Club „Sägewerk“.

Was Berni Mayer, ehemaliger MTV-Chefredakteur und Musiker in der Heavy-Metal-Band „The Gebruder Grim“, mit seinem Erstling beabsichtigt, ist nicht ganz klar. Für einen Branchenrundumschlag ist das Ganze zu harmlos, für einen Krimi, ja, selbst für eine Genreparodie zu geschwätzig. Mayer macht den Fehler, die Geschichte von seinem Protagonisten Sigi Singer erzählen zu lassen, der gewaltig nervt mit seinen Ausführungen über Berliner Altbauten, Heavy-Metal-Alben und Les-Paul-Gitarren. Auch die eingestreuten schlechten Songtexte helfen nicht weiter. Stilistisch orientiert sich Mayer offensichtlich an Wolf Haas, der allerdings das personale Erzählen virtuos beherrscht. Mayer dagegen rockt nicht einmal. Und das wäre doch das Mindeste, das man von einem Rock’n’Roll-Krimi erwarten kann.    

Text: Ralph Gerstenberg
Foto: Concorde Film
tip-Bewertung: Uninteressant

Berni Mayer: „Mandels Büro“
Heyne, 336 Seiten, 8,99 Ђ

Buchpräsentation mit Mayer und Markus Kavka
Buchbox! Kulturbühne, Greifswalder Straße 33, Prenzlauer Berg,
Di 17.1., 20.30 Uhr

 

weitere Buch-Notizen:

WOLFGANG HERRNDORFS NIHILISITSCHER SAHARA-ROMAN „SAND“

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