Kommentar

„Blaues Blut“ von Erik Heier

Glücklicherweise darf ich über das Buch „Das Europa der Könige. Macht und Spiel an den Höfen des 17. und 18. Jahrhunderts“ noch nichts genaues schreiben

Erik Heier

Dank der Sperrfrist bis zum Erscheinungstermin am 10. März.  Ich bin wirklich froh über diese Sperrfrist. Das Buch von Leonhard Horowski, Jahrgang 1972, der unter anderem an der Freien Universität studiert hat, besteht nämlich aus 1.120 sehr eng beschriebenen Seiten. Das massige Vorab-Exemplar für die Presse kam vor einigen Tagen mit der Post und liegt seither auf meinem Schreibtisch. Jetzt wurde das Werk in der Kategorie Sachbuch für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert. Überhaupt scheinen royale Wälzer gerade wieder schwer angesagt. Ein anderer Preiskandidat ist die Biografie „Maria Theresia. Die Kaiserin in ihrer Zeit“ von Barbara Stollberg-Rilinger, auch mit deutlich über 1.000 Seiten. Anfang des Jahres gab es in der „Welt“ eine Debatte über literarische Authentizität, Peter Praschl bekannte dort, dass ihn Romane mittlerweile langweilten und er lieber zum Beispiel auf tausenden Seiten Knausgård bei seinen täglichen Verrichtungen beiwohnt. Ich hab ja bei dem ganzen Knausgård-Hype zwischenzeitlich auch bedauert, niemals konsequent Tagebuch geführt zu haben. Doch mein Leben kam mir aufgeschrieben immer noch viel langweiliger vor als in echt. Was ich jedenfalls beim Anlesen von „Das Europa der Könige“ sagen kann: Darin passiert deutlich mehr als in Knausgårds Leben. Blaues Blut muss also das nächste große Literatur-Ding sein.

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