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„Blauschmuck“ von Katharina Winkler

Jeans. Sie wird Jeans tragen. In ihrem neuen Leben. Mit Yunus. Der sie am Bach sieht. Du gehörst mir, sagt er. Und Filiz will ihm auch gehören. Will es so sehr. Sie ist zwölf, sie muss weg vom Vater, der seine Kinder schlägt und seine Frau. Wie alle Männer in diesem kleinen kurdischen Dorf ihre Frauen schlagen. Was zurückbleibt auf der Haut, ist „Blauschmuck“. So nennt Katharina Winkler – gebürtige Wienerin, jetzt Berlinerin – ihren ersten Roman nach einer wahren Geschichte. Kaum wird Filiz Yunus’ Frau, ist er wie die anderen. Trinker, Schläger, Tyrann. „Wenn Yunus nicht brüllt, leben wir in Yunuz’ Schweigen.“ Katharina Winkler formt wundersam karge Hauptsätze, die oft von atemberaubender Poesie sind. Sätze, wie man sie so selten gelesen hat.  Aber in ihnen wohnt das Grauen. Denn von Jeans für Filiz wird nicht mehr die Rede sein. Nie wieder.    

Text: Erik Heier

Blauschmuck von Katharina Winkler, Suhrkamp, 196 S., 18,95 Euro

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