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Christoph Peters: „Herr Yamashiro bevorzugt Kartoffeln“

herr-yamashiro-bevorzugt-kartoffelnIm Frühling des Jahres 1989 reist aus Japan der Ofensetzer Tatsuo ­Yamashiro in den 740 Einwohner zählenden Ort Rensen in Ostholstein, um für den  Keramikkünstler Ernst Liesgang in einem alten Pfarrhaus einen japanischen Anagama-Brennofen zu bauen. Schon die Widmung „Für Jan, in Freundschaft“ macht klar, dass es für einige der Figuren, die der Berliner Christoph Peters („Wir in Kahlenbeck“) in seiner Geschichte auftreten lässt, reale Vorbilder gibt: so den Keramikkünstler Jan Kollwitz, ein Urenkel der Bildhauerin Käthe Kollwitz, der in Cismar bei Lübeck japanische Keramiken brennt. Und zwar in genau so einem holzbefeuerten, liegenden Spezialofen, dessen Entstehung wir hier erleben und der schon in Peters’ Roman „Mitsukos Restaurant“ Erwähnung fand. Mit „Japan beginnt an der Ostsee“ hatte der studierte Maler Peters Jan Kollwitz 2010 zudem ein bebildertes Sachbuch gewidmet.

Während der von einem Fernsehteam begleiteten Arbeiten auf der Baustelle in Rensen kommt es zu diversen mal heiteren, mal traurigen Vorkommnissen, die aus dem Zusammentreffen zweier grundverschiedener Kulturen resultieren. So muss der für das Wohl des Meisters mitgereiste Tross, der dem 72-Jährigen den vertrauten Reis mit Algen zubereitet, entsetzt erleben, wie Yamashiro genussvoll die Mettbrötchen vertilgt, die die Wirtsfrau Herta Mölders vorbeibringt. Und dann auch noch den beim „Maurerfrühstück“ obligatorischen Schnaps hinterherkippt. Sehr schön auch, wie Peters die Brandschutzvorschriften des deutschen Baurechts auf die unumstößlichen Zen-Regeln prallen lässt, denen sich der Ofensetzer verpflichtet fühlt.

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Dies ist eines jener Bücher, die das Interesse für ein Thema wecken, von dem man gar nicht wusste, dass man sich dafür interessiert, und die einen eintauchen lassen in ein Universum mit geheimnisvollen Gesetzen. So erfährt man, dass die milchige Shino-Glasur durch einen viertägigen Aufenthalt bei 1?173 Grad in einem Anagama-Ofen entsteht, bei dem Aschepartikel mit dem Ton eine Verbindung eingehen. Und dass nach traditioneller Auffassung beim Formen der Keramik persönliche Motive und Gefühlslagen ausgeschaltet sein müssen.

Text: Reinhard Helling

tip-Bewertung: Lesenswert

Christoph Peters: „Herr Yamashiro bevorzugt Kartoffeln“ Luchterhand, 224 Seiten, 18,99 Ђ

Buchpremiere: Kulturbrauerei, im Rahmen der Literaturwoche Prenzlauer Berg, So 25.5., 20 Uhr

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