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Chuck Klosterman: „Nachteulen“

Ein Antidot zum Sonnenbrand. Klosterman erzählt aus drei Perspektiven vom kleinen Provinznest Owl in North Dakota. Die nächste große Stadt heißt Fargo, und wer da an den gleichnamigen Film der Coens denkt, hat eine adäquate atmosphärische Referenzgröße.

Die drei Plotfäden sind nur locker verknüpft. Julia, die neue Lehrerin kann sich über die erlesene Trostlosigkeit hier oben nur wundern, fasst aber nach vielen Gin Tonics langsam Fuß. Mitch ist ein High-School-Nerd mit viel Triebdruck und den üblichen Gewaltphantasien, in denen sein despotischer Deutschlehrer die Hauptrolle spielt. Und dem alten Horace ist vor einiger Zeit die Frau unter grässlichen Umständen gestorben. Jetzt wartet er milde und altersweise auf den Tod. Der lauert denn auch schon in Form eines Blizzards, der den Ort heimsuchen wird.
Klosterman erzählt anekdotisch, mit Empathie und enormen Witz, der immer auch melancholisch geerdet ist, um diesem Flecken literarische Gerechtigkeit angedeihen zu lassen.

Text: Frank Schäfer

(tip-Bewertung: Herausragend)

Chuck Klosterman: „Nachteulen“, Aus dem Amerika­nischen von Adelheid Zöfel, S. Fischer, 19,95 Ђ

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