• Kultur
  • Bücher
  • Couchsurfin’ the World: Weltreise per Sofa-Hopping

Bücher

Couchsurfin’ the World: Weltreise per Sofa-Hopping

couchsurfintheworld_c_maltejaegerNew York, Brooklyn im Sommer 2010: Auf dem Dach einer ehemaligen Textilfabrik steigt eine Hausparty. Organisiert hat sie „Naked Paul“, einer der Wohnungs­eigentümer. „Naked Paul“ läuft am liebsten nackt rum, daher der Name. In seiner 90 Quadratmeter großen Wohnung beherbergt er oft mehr als 14 Menschen.

Berlin, Kreuzberg im Herbst 2011: Malte Jäger blättert in seinem gerade erschienenen Buch „Couchsurfin’ the World“. Die Geschichte von „Naked Paul“ und der Hausparty ist eine von vielen, die der 33-Jährige erlebt hat. Die Reise quer durch die USA ist eine von fünf Reisen, die Jäger zwischen Mai 2009 und Oktober 2010 gemacht hat. Aber der Fotograf war nicht einfach im Urlaub, er hat Couchsurfer mit seiner Kamera begleitet. Er ist ihnen wie ein Schatten gefolgt, er reiste mit ihnen durch die USA, Brasilien, Indien, Tadschikistan und Kirgistan und mit dem Auto von Berlin nach Benin in Westafrika. Er hat auf über 50 fremden Sofas, Betten, Matten und Fußböden geschlafen. Seine Erlebnisse hat er in rund 400 Fotos und vielen kurzen Texten in dem Buch „Couchsurfin’ the World“ festgehalten.

Vor drei Jahren hörte Malte Jäger zum ersten Mal von Couchsurfing, von dieser Art zu reisen, bei der man nicht mit Geld, sondern mit der eigenen Geschichte bezahlt: Über das 2003 von dem Amerikaner Casey Fenton gegründete Netzwerk bieten sich Menschen auf der ganzen Welt gegenseitig Schlafplätze an. Über dreieinhalb Millionen Mitglieder in rund 250 Ländern und Regionen sind aktuell registriert. Die Idee dahinter: Man lernt Länder aus der Sicht derer kennen, die dort leben. Malte Jäger wollte wissen, ob das stimmt. Über das Netzwerk unterschiedlichen Zielen. „Ich habe Leute getroffen und Orte gesehen, die ich sonst nie kennengelernt hätte“, sagt er. Ungewöhnliche Wohngemeinschaften, ein Alltag, der meilenweit vom eigenen Erfahrungshorizont entfernt ist: Couchsurfer erinnern sich nicht an Sightseeing-Spots, sie erinnern sich an Menschen und deren Leben. Dafür ist Malte Jägers Buch „Couchsurfin’ the world“ ein eindrucksvoller Beweis. Und auf welcher Couch würde er noch einmal übernachten? Malte Jäger zögert kurz, dann sagt er: „Auf der von Paul in New York. Obwohl manche die Vorstellung bestimmt fürchterlich finden, ist dieser Ort irgendwie magisch aufgeladen.“   

Text: Lene Albrecht
Foto: Malte Jäger

Malte Jäger: „Couchsurfin’ the world“
Edition Braus, 200 Seiten, 24,95 Ђ, couchsurfintheworld.tumblr.com

Ausstellung
Galerie Edition Braus im Aufbauhaus, Prinzenstraße 85, Kreuzberg
*** wurde kurzfristig auf voraussichtlich Mitte März verschoben ***

Mehr über Cookies erfahren