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Damenwahl

Älter, aber nicht weiser: In „Die Witwen von Eastwick“ lässt John Updike seine Hexen ein zweites Mal die Männerwelt durcheinander wirbeln.
 
Sie hatten sich geschworen, nicht mehr zu zaubern. Aber die Welt hat sich verändert: Internet, Nine Eleven, in-vitro-Geburten, der Kapitalismus greift um sich, nichts ist, wie es einmal war. Also müssen die drei älteren Damen beweisen, dass Sie nicht völlig unnütz geworden sind. Dass sie noch etwas bewegen können. Und sei es auch nur ein Augenlid. Das Augenlid des toten Mao, den sie bei ihrer Chinareise betrachten, wie er aufgebart in seinem Kristallsarg liegt. Der tote Diktator soll den Hexen gefälligst zu Diensten sein! Er zwinkert ihnen zu, danach hat er wieder ewige Ruhe. Sie haben ihre Macht demonstriert, es ist der Anfang einer neuen, zauberhaften Zeit.

updike
 
35 Jahre sind vergangen, seit Alexandra, Sukie und Jane, die „Hexen von Eastwick“,  ihr Städtchen auf den Kopf gestellt haben. Sie ließen sich vom Dandy-Hexer Darryl van Horne (wer hätte in der Verfilmung von 1987 besser gepasst als Jack Nicholson?) um den Finger wickeln, töteten aus Eifersucht seine jüngere Gespielin Jenny, jagten Darryl fort und setzten sich mit bürgerlichen, irdischen Männern aus Eastwick ab. Doch die sind nun verstorben. Die einst so mächtigen Frauen, alle über 70, stehen also vor dem Problem, dass sie keiner mehr will. Schon gar nicht die Eastwicker, die am liebsten eine Hexenjagd veranstalten würden.
 
John Updikes „Die Witwen von Eastwick“, der „Hexen“-Nachfolger und sein letzter Roman, besteht aus nur wenigen, erstaunlich gemächlichen, umso souveräner erzählten Episoden: die Weltreisen der Drei, die sie in Länder wie Ägypten führen, in denen einst Frauen geheimnisvolle Mächte besaßen; ihre Rückkehr nach Eastwick; die mit allerlei Metaphysik ausgetragene Konfrontation mit Darryls rachsüchtigem Freund Christopher. In den Vordergrund aber rückt deren Innenleben: die Bewältigung des Alters, Gedanken über die erwachsenen Töchter, welche sie, die selbst ernannten Göttinnen, heimlich verabscheuen.
 
Man kann in den „Witwen“ John Updikes Abrechnung mit der Bush-Ära sehen. Amerika ist den Hexen fremd geworden, sie haben Angst vor Terrorismus und Überwachung, sind paranoid, fürchten, mit Bin Laden gleichgesetzt zu werden. Was sie auch eint, ist die Verachtung gegenüber allem Provinziellen, alles „westlich des Hudson, das einfach zu amerikanisch ist, wie etwas, das man abstellen würde, wenn es im Fernsehen käme. Wie ein fremdes Land, bloß schlimmer, weil man die Sprache versteht.“   
 
Vor allem aber ist Updike nach dem ersten „Eastwick“-Buch, in dem er nur zaghaft Geschlechterrollen hinterfragte, nun ein echter Schlag gegen die Männer gelungen. „Seit undenklichen Zeiten hatten es Männer auf Frauen abgesehen, und es gibt uns immer noch“, sagt Alexandra. Den mörderischen Christopher bekommen sie mit der Höchststrafe für Machos in den Griff: Sie domestizieren ihn, machen ihn zum Ehepartner, der sämtliche Hausarbeiten erledigen muss.
 
John Updike, „Die Witwen von Eastwick“, aus dem Amerikanischen von Angela Praesent, Rowohlt 2009, 416 Seiten, 19,90 Euro.

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