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Das Leben eines Tätowierers

Krause_-(c)-Paul-Schirnhofertip: Sie haben ein Buch über Ihren Alltag als Tätowierer geschrieben. Warum??

Daniel Krause: Es gibt Studien, die besagen, dass 37 Prozent aller 15- bis 39-Jährigen in Deutschland tätowiert sind. Da fragt man sich: Wer sind eigentlich die Tätowierer? Gangster? Asoziale? Wir wühlen wie Krankenschwestern im Blut von Leuten, wirken wie Grobiane und eigentlich weiß keiner, wer wir sind. Bisher gibt es kein Buch, das Müttern, Chefs oder Lehrern eine Brücke zum Tätowieren baut.

tip: Was sind die Hauptgründe für die heutige Generation, sich ein Tattoo stechen zu lassen??

Krause: Heutzutage ist das Tätowieren immer mit Emotionen verbunden: Wenn etwa eine Mutter mit einer Tätowierung den Tod ihres Kindes verarbeiten will. Ein anderer Grund ist, dass die Leute ihren Körper individuell verschönern möchten. Bei den Tattoo-Verrückten ist es mittlerweile auch so, dass es die Größe macht. 19-Jährige lassen sich total zuschwarten. Verrückt! Aber ich denke, dass es auch eine Art Protest ist.

tip: Welche Emotionen hat jemand, der sich die Comic-Figur Tweety tätowieren lässt??

Krause: Ich habe tätowierte Tweetys gesehen, die ‘nen Iro und eine Maschinenpistole hatten, das ist dann auch schon wieder Protest. Aber der gängige Tweety ist ein Schwachsinns-Tattoo ohne Aussage. Es gibt immer wieder Mode-Tattoos, das war mal Tweety, dann war es das Arschgeweih. Das Tätowieren an sich ist schon lange keine Modeerscheinung mehr. Es ist Mainstream.

tip: Sie waren Punker, Reiseverkehrskaufmann, Türsteher, Tätowierer und TV-Tattoo-Experte. Was kommt als nächstes??

Krause: Ich fände es albern, wenn ich mit 50 Jahren noch 20-jährigen Mädchen irgendwas auf den Hintern tätowiere. Vielleicht bilde ich künftig andere Tätowierer aus oder besitze eine Tattoo-Studio-Kette in ganz Deutschland. Ich bin im Moment offen für alles.

Interview: Steffi Sandkaulen

Foto: Paul Schirnhofer


Daniel Krause: „Tattoo Krause. Deutschlands prominentester Tätowierer sticht zu“, Droemer, 248 Seiten, 14,99 Ђ; multimediale Buchpremiere: 10.10., 20 Uhr, Babylon Mitte

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