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David Markson: „Wittgensteins Mätresse“

wittgensteinsGenau genommen kann Kate auch gar nicht anders, weil ansonsten nichts geblieben ist auf der Welt – außer den schönen Künsten und der Philosophie. Nur so kann sie ihren eigenen Standort bestimmen. Doch bleibt die unbenannte Apokalypse, die mindestens, wie sie behauptet, zehn Jahre zurückliegt, im Vagen. Wie auch der Auslöser für ihre tragikomischen Gedankensprünge. „Die Welt ist alles, was der Fall ist“, schreibt Wittgenstein. Und war so schwul, dass er nie eine Mätresse hatte. Eigentlich.

Andererseits behauptet Kate genau das. Sie weiß auch mehr als wir über Aristoteles’ Lispeln, Rembrandts rostbraune Katze, de Maupassants Hass auf den Eiffelturm und die Bonbons für Kinder in den Hosentaschen von Brahms. Der mittlerweile verstorbene amerikanische Dichter David Markson, in Deutschland noch viel zu unbekannt, hat das in Kates Monolog subtil und poetisch modelliert. Elfriede Jelinek und David Foster Wallace haben innige Liebeshymnen auf den Roman verfasst. Sissi Tax hat ihn 2013, 25 Jahre nach der englischen Erstausgabe, endlich schneidig-forsch ins Deutsche übertragen.

Text: Stefan Hochgesand

tip-Bewertung: Herausragend 1

David Markson: „Wittgensteins Mätresse“ aus dem Englischen von Sissi Tax, Berlin Verlag, 336 Seiten, 22,99 Ђ

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