Bücher

„Deppen“ von Erik Heier


Es ging eigentlich um ihren großartigen, schon im März erschienenen Roman „Bodentiefe Fenster“ über Gemeinschaftswohnen als Frusterfahrung und Prenzlauer Berger Mütter als, nun ja, eben Prenzlauer Berger Mütter. Und warum sie geworden sind, wie sie sind. Denn: „Niemand benimmt sich doch freiwillig wie ein Depp.“ Einen Tag später bewies ein gewisser Akif Pirinçci eindrucksvoll das Gegenteil. Das ist dieser Katzenbuchautor, der erst bei der Pegida-Demonstration in Dresden eine durchgeknallte KZ-Metapher zum Schlechten geben musste, damit ihm die seine Krimis vertreibenden Verlage Diana, Goldmann und Heyne die Verträge kündigten. Es ist natürlich eigentümlich, dass Pirinçci erst bei Pegida über Konzentrationslager faseln musste, bis die Bertelsmann-Verlage große „Bestürzung und Unverständnis“ konstatierten, die sie offenbar nicht beschlich, so lange ihr erfolgreicher Autor bei seinen wüsten Beschimpfungen gegen Migranten, Frauen oder Schwule noch ohne KZ-Vergleiche auskam und ansonsten hetzheitere Abrissbirnenliteratur wie „Deutschland von Sinnen“ oder, ganz neu, „Die große Verschwulung“ zusammenzimmerte. Das war aber bei einem anderen Verlag. Vielleicht blättern sie bei Goldmann auch einfach nicht immer so akribisch die Verlagsvorschauen der Edition Sonderwege durch. Dann ist man eben hinterher der Depp.

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