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Oliver Maria Schmitt: „Der Beste Roman aller Zeiten“

Doch sein Roman ist vielleicht Anstoss für alle, die gerne Weltliteratur schreiben würden, denen aber das Talent fehlt und deshalb, wie die Hauptfigur der Geschichte, der angeberische Jo Hollenbach, einfach Versatzstücke der Literatur aneinanderkleben wollen. Und, wie Hollenbach in einer Wutrede sagt, nichts als Verachtung übrig haben für „Institutsliteratur, subventionierten Studentenscheiß, Hößlinsülzer Dorfschreiber und den Finalisten beim Wettbewerb um den Literaturpreis der Sparkassen Nord“, bei denen jeder Satz wie eingeweichter Zwieback klinge. Auf den Seiten 190 bis 193 des Romans wird sehr anschaulich erzählt, wie Hollenbach in Copy-and-Paste-Manier verschiedene Klassiker, zum Beispiel Kafkas „Verwandlung“, zu unlesbarem Kitsch zusammenfügt. Diese Passagen zählen zum Witzigsten, was es in diesem Jahr zu lesen geben wird. Seine Ergüsse bringt Hollenbach in einem kleinen Zimmer in Albanien zu Papier, wohin er und sein Manager Mick Rademann entführt wurden, um unter Zwang ein Nachfolgewerk zum „Besten Roman aller Zeiten“ zu schreiben. Dieses Albanien verortet Autor Schmitt mit Borat-deskem Humor als Hinterland Europas, wo Blutrache und Inzest an der Tagesordnung sind und dumm sein eine Tugend ist. Aber das ist eine andere Geschichte. Vielleicht erzählt Schmitt, der auf der Bühne immer sehr schlagfertig ist, auf seiner Lesung ja noch mehr über dieses schöne Land.

Text: Sassan Niasseri

Oliver Maria Schmitt, „Der Beste Roman aller Zeiten“, Rowohlt, 252 Seiten, 16,90 Euro.

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