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Der Verleger Klaus Wagenbach schenkt sich zum 80. einen Band im „Geburtstagsformat“

Klaus_WagenbachStolze 80 wird der rotbesockte Klaus am 11. Juli, der uns einst nach umfänglichem Eignungstest das Rezensieren an der FU beibrachte und der, obwohl er die Verlagsleitung längst abgegeben hat, immer noch Dienst tut in der Emser Straße, dort auch immer noch Kindern vorliest, alljährlich in seinem Dienstzimmer beim traditionellen Nikolaus-Punsch. Zum 80. gibt es – nach einem vorgezogenen Fest Ende Juni im, wo sonst, Berliner Ensemble – ein Buch, damit nicht alle Fragen stellen und nicht alle dieselben. Ein Buch im, typischer Wagenbach-Verlagsscherz, „Geburtstagsformat“ mit einigen alten und einer Reihe neuerer, sprich: unpublizierter Texte. Texte, die die bevorzugten Themen behandeln: die RAF, die deutsche Intelligenz, das System, die Autoren, die Lust und die Schwierigkeit, Bücher zu machen, Berlin, die Kunst und die Frauen. Mit der einen, Barbara, kaufte sich der durch ein „geringes Erbe“ zum Millionär, genauer: zum Liren-Millionär aufgestiegene Radfahrer Klaus Wagenbach als Jungspund nach einer kurzen Frustration und ein paar Gläsern Grappa ein Haus in der Nähe von Siena. Und seitdem spielen auch Italien und die Toskana-Fraktion eine gewichtige Rolle im Leben Wagenbachs und fehlt natürlich nicht im neuen Birthday-Buch „Die Freiheit des Verlegers„.

Wagenbach ist ein Erzähltyp. Und Erzählung im besten Wortsinn ist auch dieser Band. Darüber hinaus Pamphlet, Provoka-tion, Polemik und ein Pool an Pointen. Kostprobe: „Günter Grass und ich lernten uns Ende der Fünfzigerjahre kennen und wurden bald enge Freunde. Der Grund war sehr einfach: Wir waren weder mit dem damaligen Literaturkanon noch mit dem Zustand der Bundesrepublik einverstanden. Außerdem waren wir Pilzsammler.“ Der Verlag, immer zum Besonderen neigend, rief bereits zwei Monate vor dem Geburtstag zum „körbeweisen“ Verschicken von Gratulationspostkarten auf. Wir schließen uns jetzt an: Der Ur-Berliner K. W. lebe hoch! Noch eine Runde Grappa, bitte!

Text: Andreas Burkhardt
tip-Bewertung
: Lesenswert 2
Foto: Martin Przkawedt

Klaus Wagenbach „Die Freiheit des Verlegers. Erinnerungen, Festreden, Seitenhiebe“, Verlag Klaus Wagenbach, 320 Seiten, 19,90?Ђ

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