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„Dialoge“ von Babet Mader

Babet Mader

Gut, dass wir uns nicht in den Schatten gesetzt haben“, sagt Babet Mader und lässt dabei eine gewisse Tiefenentspannung aufblitzen. Die junge Berliner Autorin sitzt vor einem Cafй am hinteren Ende der Boxhagener Straße und wirft einen zufriedenen Blick in den wolkenfreien Himmel.
Ist es ein Klischee, dass sich Literaten immer in Cafйs treffen und dort über das Miteinander in der Welt plaudern? Das ist es garantiert. Aber es ist kein überholtes. Gerade dann nicht, wenn die wohl letzten wärmenden Sonnenstrahlen in diesem Jahr den Bordstein erhitzen.
Babet Mader borgt sich vom Interviewer eine Zigarette, gibt dafür den Kaffee aus und startet ohne große Umwege das Gespräch. Es sprudelt geradezu aus ihr heraus: Klima-erwärmung, Berliner Mittelschicht, Wohnen in Pankow und im Wedding. Diese Art Gegensätze. Bahnfahren mit der Bahncard eines bekannten Brotaufstrich-Herstellers. Rabattsucht, nervende Werbung eines Dildoherstellers. Landleben und Biokultur. Flüchtlingspolitik. Die Übergänge fließen. Sie lacht viel und ihre Offenheit steckt an.
Babet Mader ist eine vortreffliche Gesprächspartnerin. Und vor allem eine aufmerksame Zuhörerin, die keine Aufwärmphase braucht, um prägnante Vokabeln für komplexe Themengebiete zu finden. Es gibt kein Stocken, kein behutsames Herantasten an politisch korrekte Leerstellen. Ihr Berliner Dialekt, das schnoddrige Icke, sticht dabei unüberhörbar hervor.
Dieser Ritt durch die Gedankengänge, aktuelle Fragen wie auch Themen überhaupt ist wie ein Bewusstseinsstrom – und erinnert nicht zufällig an Maders aktuelles Buch „Dialoge“ der Berlinerin. Eine Sammlung von Gesprächen, die gerade beim Leipziger Verlag Open House erschienen sind. Darin kämpfen Männer mit Frauen um ihre Selbstachtung. Teenager diskutieren den Suizid. Trivialitäten wie Bärte oder Gespräche über Erziehung,  Nazis und die Kunstszene – diese kurzen, zugespitzten Dialoge sind schlicht in ihrer Präsenz. Sie sind ein offener Schlagabtausch über das Alltägliche.
„Ich glaube, der Alltag von Menschen ist intellektueller als jedes Buch“, sagt Mader, die vor zwei Jahren ihr Studium am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig abgeschlossen hat. „Wenn man Leuten zuhört, lernt man viel über die Gesellschaft, in der man lebt.“ Das ist nicht leichtfertig dahingesagt. Denn Mader bezeichnet sich selbst als Abbrecherin. Als eine, die ständig mit ihrem Schreiben und ihrer Präsenz hadert. Sie lacht dabei selbstironisch.
„Wenn ich einen Marathon laufen müsste, ich würde kurz vor dem Ziel aufhören.“ Ein Satz, der so in ihrem Buch stehen könnte und viel über das tägliche Ringen mit sich selbst und mit der Umwelt erzählt. Mader hat viel ausprobiert, eine Ausbildung zur Heilpraktikerin absolviert, sie war Yogalehrerin, hat in einer Werbeagentur getextet und das dann alles irgendwie mit dem Studium in Leipzig hinter sich gelassen.
Aber ist ein Buch kein fertiges Produkt? „Das ist ja nie fertig“, sagt sie. „Ich glaube, das geht jedem Künstler so.“ Am Ende ist immer etwas dabei, das man später streichen will.“ Leben. Menschen. Bücher. Alles ist nicht perfekt. „Ein Arzt sollte aber bei der Bypass-operation so vielleicht nicht denken.“ Wieder lacht sie laut. Und nimmt einen letzten Schluck Kaffee.    

Text:
Martin Daßinnies

Fotos:
Ilya Zaytsev / Fotolia/ Openhouse Verlag (Kollage); Lina Grün

Dialoge von Babet Mader, ?Open House Verlag, ?144 Seiten, 18 Euro, ?www.babetmader-?multitasking.de

Buchpremiere: Buchhandlung Montag Pappelallee 25, ?Prenzlauer Berg, ?Do 8.10., 20 Uhr

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