Kommentar

„Die 90er“ von Erik Heier

Welches Revival haben wir eigentlich gerade? Sind die 80er jetzt durch? Die 90er noch aktuell? Oder schon die Nuller? Heißen die überhaupt so?

Erik Heier

Neulich, auf der Re:publica, postete ich ein Foto. Ein Facebookfreund kommentierte: „Wirkt irgendwie wie in den 90er-Jahren.“ Es klang despektierlich. Die 90er-Jahre waren gar nicht so schlecht. Außer die Architektur. Die kann man vergessen. Auch bei einem Revival. Leider weiß ich nicht mehr viel aus den 90ern. Mein Gedächtnis ist wenig revivaltauglich.   In meiner Erinnerung zerfiel die Jugendkultur im Wesentlichen in drei Fraktionen: Raver mit Trillerpfeife und Acid, Grunger mit Karohemd und Heroin sowie Britpopper mit Mod-Haartracht und Bier. Von wegen. Sebastian Lehmann trägt in seinem neuen Buch „Ich war jung und hatte das Geld“ seine „liebsten Jugendkulturen aus den wilden Neunzigern“ zusammen. Er kommt auf 55 Typen.  55! Mir waren zum Beispiel der satanische Dark Metaller, der Landprolet und der Eurodancer völlig entfallen. Vielleicht hätte ich damals öfter Tagebuch führen sollen, dazu fehlte mir die Konsequenz. Tagebuchsalons sind ja gerade wieder in Mode, kürzlich war zum Beispiel in Moabit einer. Und am 1. Juni können Interessenten in der Fahimi-Bar bei der 3. „Oh Yeah“-Veranstaltung ihre Jugendpeinlichkeiten loswerden, beim letzten Mal ging es zum Beispiel um versteckte Porno-VHS-Kassetten. Vielleicht sollte ich doch mal wieder ein Tagebuch anfangen. Und wenn in 20 Jahren das Zwozehner-Revival losgeht, dann bin ich auch mal voll dabei.

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