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Die Lebensgeschichte von ?Sven Marquardt

Die Lebensgeschichte von ?Sven Marquardt

Ein junger Punk, das spröde Haar teils steil himmelwärts sortiert, in seiner ersten Wohnung „in der Wichert“, für 45 Mark im Monat. Mit Klarsichtfolie als Tischdecke und Lederjacke über dem Morgenmantel. Die schwarzsträhnige Pausbacke von damals trägt heute Metall im Gesicht und verbreitet seit zehn Jahren mit der Anmut eines Tattoostudio-Betreibers an der Berghain-Tür Angst und Schrecken. Sven Marquardt blättert nun in „Die Nacht ist Leben“ – dort ist auch das Punk-Foto zu finden – erstmals sein Leben als schwuler DDR-Punk, Fotograf und natürlich, aber wohltuend herunter­dosiert, als Türsteher auf: Er erzählt vom Saufen, vom sonstigen Rausch („Ich werfe alles ein, wo draufsteht: ,Beeinträchtigt die Fahrtüchtigkeit‘“), von wilden Berliner Nächten. Bis aus ihm der Echsenmann wurde, dessen Einlass­kriterien allen immer noch ein Rätsel sind. „Mittlerweile gibt es sogar eine App ,How to get into Berghain‘“, schreibt Marquardt. „Ich habe noch nie draufgeschaut.“ Wieso auch.    

Text: Erik Heier

Foto: Jan Behrendt

Die Nacht ist Leben von Sven Marquardt, ?mit Judka Strittmatter, ?Ullstein extra, 224 S., 14,99 Euro

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