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„Die Stille nach dem Gesang“ von Katharina Döbler

Foto: Lea-M._pixelio.deDer plötzliche Tod nach dem Beischlaf mit seiner Freundin Alexandra kam gänzlich überraschend. Falk Margraf war erst Anfang fünfzig und fühlte sich nicht krank. Sein vorzeitiges Ende führt zu einer Nervenkrise bei seiner zwei Jahrzehnte jüngeren Gefährtin Alexandra, die ein Leben in seiner Abhängigkeit gefristet hat und von ihm schwanger ist. Dabei war sie ihm weniger aus Liebe, mehr aus Bewunderung und Bequemlichkeit zugetan. Falk, ein erfolgreicher Komponist, vermögend, war als Frontmann der Band „Eckstein“ ein Star der Neuen Deutschen Welle gewesen. Für ihn hatte Alexandra eigene Ambitionen als Sängerin aufgegeben. Nach seinem Ableben leidet sie sozial isoliert an der Perspektivlosigkeit ihres monotonen Daseins.
Mit nüchternen Detailschilderungen beschreibt die Berliner Autorin und Literaturkritikerin Katharina Döbler in ihrem ersten Roman ein rollentypisches Beziehungsverhältnis und skizziert dabei das Portrait der großbürgerlichen Familie Margraf mit ihrem bourgeoisen Standesdünkel.

Eitel und nur seinen eigenen Interessen verpflichtet, seinem „schlichten und kindlichen Verlangen nach Sex und nach Erfolg“, schätzte Falk Alexandra als „Frau, die ihm verfügbar war und ihn nicht störte“. Sie fügte sich in die Rolle als „Anhängsel“ und „kümmerte sich um Falks sexuelles Wohlergehen“, derweil er seine Karriere pflegt. Das Paar zeigt ein in vielerlei Hinsicht exemplarisches Verhaltensmuster: Nach jugendlicher Sturm-und-Drang-Phase mit Emanzipationsversuchen, etwas Rebellion und einem trügerischen Gefühl von Frohmut verfällt es, von Wohlstand korrumpiert, allmählich in einen Alltagstrott und arrangiert sich angepasst im Establishment. Aus Alexandras Perspektive vermittelt Katharina Döbler bisweilen Empfindungen und Stimmungen, wie sie Jean-Paul Sartre einst in seinem Romandebüt „Der Ekel“ ausgedrückt hat: Gefühle von Entfremdung und existenzieller Einsamkeit. Sieben Jahre nach Falks Beerdigung lebt Alexandra weltabgewandt mit zwei unehelichen Kindern. „Allein und frei. Aber diese Freiheit ähnelt ein wenig dem Tod“ (Sartre).

Text: Ralph Umard

Foto: Lea-M. (pixelio.de)

Katharina Döbler „Die Stille nach dem Gesang“, Galiani, 270 Seiten, 18,95 Ђ

Lesung taz-Cafй, Rudi-Dutschke-Straße 23, Mitte, Mo 8.11., 19 Uhr

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