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„Digedags“ von Erik Heier

Erik Heier

Die ersten Leute aus der DDR, die ich kannte und die in den Westen reisen durften, waren die Digedags. Ich war sieben Jahre alt und fluchte, weil ich in dem zerlesenen „Mosaik“-­Stapel meines älteren Bruders den Rest eines zerschlissenen Heftes nicht finden konnte, das „In den Sümpfen von Florida“ hieß, aus der berühmten Amerika-Serie der Comics. ­Dig, Dag und Digedag waren also gerade in Amerika unterwegs, das nicht nur der Klassenfeind schlechthin war, sondern auch unerreichbar weit weg lag. Außer, man war Rentner oder Reisekader. Die Digedags gingen für mich über den Großen Teich. In diesem Heft hatte es sie also in die Sümpfe verschlagen. Ein Krokodil, das ungefähr so böse aussah wie der Klassenfeind, kam näher, die drei wichen zurück, das Krokodil riss das Maul auf, und dann – fehlten die letzten Seiten. Ich war am Boden zerstört, es war 1977, dieses Heft war nirgendwo zu bekommen, und die Digedags selbst seit zwei Jahren verschwunden, weil ihr Schöpfer, Hannes Hegen, eigentlich Johannes Hegenbarth, sich mit dem FDJ-Verlag Junge Welt überworfen hatte und ins Privatleben abgetaucht war. Jahrzehnte später fand ich dieses Heft auf einem Flohmarkt wieder. Natürlich hatte Hegen die Digedags vor dem Krokodil gerettet, mit einem Indianerpfeil. Wenn ich die Augen schließe, sehe ich diesen Pfeil jetzt, ?wo Hannes Hegen 89-jährig gestorben ist, immer noch fliegen, mit stillem Lächeln.

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