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Donald Ray Pollock: „Knockemstiff“

KnockemstiffPollock setzt hier dem ewigen Klassiker des Romans aus Geschichten, Sherwood Andersons „Winesburg, Ohio“, eine billig­fuselgetränkte, durch den Fleischwolf gedrehte Hillbillyversion entgegen. Das Kaff mit dem sprechenden Namen Knockemstiff, „Schlagsetot“, liegt in einer Senke, und ent­sprechend unten sind seine Protagonisten: Säufer, Huren, Pä­derasten, Schwachsinnige, Mörder, Kleberschnüffler.

Obwohl sie sich alle ein besseres Leben ersehnen, das aus dem Fernsehen, schaffen sie es doch nie heraus aus diesem Loch. Und wenn doch einmal, lauert ein fetter stinkender Fernfahrer auf sie und setzt ihnen eine Perücke auf. Pollock stammt von dort, muss es also wissen. Er sieht auch genauso fertig aus. Erst mit 50 hat er ein Schreibprogramm absolviert und angefangen zu erzählen von diesem bildungsfernen, gewalt­tätigen, polymorph versauten White-Trash-Nest. Und das in einem knochentrockenen, ausgemergelten Stil, gegen den der große Anderson beinahe ein literarischer Galanteriewarenverkäufer war. Pollock ist irgendwann weggezogen. Knockemstiff hinter sich gelassen hat er nicht.    

Text: Frank Schäfer
tip-Bewertung: Herausragend

Donald Ray Pollock: „Knockemstiff“
Aus dem Englischen von Peter Torberg, Liebeskind, 256 Seiten, 18,90 Ђ

 

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