Bücher

Eine perfekte „Nische“

Heinrich von ­Berenberg

tip Herr Berenberg, was hat Sie vor zehn Jahren geritten, einen eigenen Verlag zu gründen?
Heinrich von ­Berenberg Ich bin gelernter Lektor, das war schön, und ich hatte alle Freiheiten, im Wagenbach-Verlag, bei Antje Kunstmann. Aber als Lektor gibt man naturgemäß weiter, was man findet, und ich stolperte immer wieder über Sachen, denen ich gern meinen eigenen Stempel aufgedrückt hätte, biografische Essays, Memoiren und anderes, aber immer: Literatur. Eigentlich eine perfekte Nische, in der man zwischen allen Stühlen sitzt. So kam der Gedanke, selbst einen Verlag aufzubauen.

tip Hat das Klaus Wagenbach als Verrat empfunden?
Heinrich von ­Berenberg Nein, er war kurz ein bisschen traurig, als ich gegangen bin. Freunde sind wir trotzdem geblieben.

tip Immer ist doch wieder zu hören: Branchenkrise! Kleinverlage sind dem Untergang geweiht!
Heinrich von ­Berenberg Wenn jemand dem Untergang geweiht ist, dann nicht die Kleinverlage. In der Nische kann man besser überleben, als wenn man ein großes, breit gefächertes Programm macht, mit dem man in der leider ständig steigenden Bücherflut versucht, Luft zu kriegen. Es wird zu viel gedruckt. Und die jungen Leute, und hier vor allem die Männer, lesen immer weniger.

tip Wie viele Titel sind bis heute bei Ihnen erschienen?
Heinrich von ­Berenberg In etwa 80.

tip Ihr größter Erfolg dabei?
Heinrich von ­Berenberg Unsere Nummer eins ist Richard von Schirachs „Die Nacht der Physiker“, von dem wir 17?000 Exemplare verkauften.

tip Ihre Bücher sind bemerkenswert speziell. Ich denke an Georg von Wallwitz’ „Odysseus und die Wiesel“: ein Buch über die Finanzwelt. Was ein dröges Thema, könnte man meinen. Aber schon beim Prolog begreift man: Wirtschaft kann umwerfend literarisch sein.
Heinrich von ­Berenberg Das haben Sie nett gesagt. Und ich kann dem nur hinzufügen: Wallwitz ist unser zweiterfolgreichstes Buch mit 15?000 Exemplaren.

tip Stimmt es eigentlich, dass Sie als Spross einer Bankiersfamilie überwiegend vom familiären Erbe leben und der Verlag nicht genug abwirft?
Heinrich von ­Berenberg Als Familie kann man davon nicht unbedingt leben. Das Büchermachen ist ein Geschäft, das keine große Rendite abwirft. Aber rote Zahlen schreiben wir auch keine.

tip Wer tritt Ihr Erbe an?
Heinrich von ­Berenberg Zehn Jahre gebe ich mir noch, mindestens. Im Augenblick habe ich Projekte ohne Ende. Aber ich werde sicher auch weiterhin nichts für den Massenmarkt machen. Die Bücher sollten, das ist mein bescheidenes Ziel, mindestens 3?000 Leser beschäftigen. Wenn’s mehr werden – nichts dagegen.

Interview: ?Andreas Burkhardt

Foto: Cordula Giese

10 Jahre Berenberg ?Verlag –? ein Fest für ­Essays Mit Heinrich von Berenberg, ?Joachim Kalka und Eliot Weinberger in der ?Ocelot Buchhandlung, Di 16.9., 20.30 Uhr

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