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„Eltern in Prenzlauer Berg – das ist vermintes Gelände“

Anja_Maier_c_THOMAS_WINKLERtip: Frau Maier, waren Sie perplex, als ein Auszug aus Ihrem Buch „Lassen Sie mich durch, ich bin Mutter“ auf taz.de einen Kommentar-Orkan auslöste??

Maier: Ja, völlig. Der Text stand vorher im Blatt, da kam nichts. Dann wurde er online gestellt. Und plötzlich ging es ab.

tip: 570 Postings in zehn Tagen! Die reichten von „geil, geil. Danke, danke“ bis zu „widerlicher, misogyner, menschenverachtender Dreck“.?

Maier: Das geht einem schon nahe, wenn plötzlich so viele Leute eine extreme Meinung haben – selbst wenn die überwiegende Mehrheit den Text toll findet.

tip: Wieso haben Sie gerade die derbe Passage über eine Wirtin in Prenzlauer Berg, die über Mütter als „Rinder“ ablästert, ausgewählt??

Maier: Weil ich sie für gelungenen Berliner Humor halte. Wer in Berlin lebt, könnte und sollte wissen, wie hier gesprochen wird.

tip: Mit welchen Erwartungen sind Sie als Wahlbrandenburgerin für drei Monate in Ihre alte Heimat Prenzlauer Berg gezogen??

Maier: Ich hatte ein paar gut gepflegte Vorurteile und war dann, das schildere ich ja auch im Buch, oft amüsiert und angenehm überrascht.

tip: Es geht um Öko-Hedonismus, 1000-Euro-Kinderwagen, Parents Discos. Was waren Ihre absurdesten Erlebnisse??

Maier: Die mit Selbstironie. Es gibt ein Kapitel über Schreifolter im öffentlichen Raum, wo eine Familie binnen Minuten platzt, weil das Kind einen schlechten Tag hat. Solche Situationen habe ich früher selbst auch erlebt. Jetzt kann ich entspannt draufgucken und finde das lustig.

tip: Ja, Sie vielleicht. Bei anderen ist die Grenze zum Beleidigtsein schnell erreicht.?

Maier: Ernsthaft: Vieles davon ist doch wirklich nicht neu. Aber Ironie ist wohl beim Thema Elternschaft für manche keine Kategorie. Das ist vermintes Gelände.

tip: Klingt nach einer Marktlücke im Kiez: Ironie-Kurse.?

Maier: Ja, machen Sie das! Ich glaube, es hat mit dem Berliner Humor zu tun, der manchmal nicht verstanden wird. Aber wer ist heutzutage auch schon noch ein echter Berliner?

Interview: Erik Heier

Foto: Thomas Winkler

Anja Maier: „Lassen Sie mich durch, ich Bin Mutter“  Bastei-Lübbe, 256 Seiten, 8,99?Ђ

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