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Er starb für Öl, Geld und Macht


 
Footballstar Patrick Tillmann zog in den „Krieg gegen den Terror“ in
Afghanistan. Er starb durch die Schüsse seiner Kameraden. In „Auf den
Feldern der Ehre“ erzählt Jon Krakauer seine Geschichte.
 
Die Einsicht kam, aber sie kam zu spät. Die einzige Rechtfertigung für den
Krieg, schreibt Patrick Tillman in sein Tagebuch, ist die imperiale Laune
der USA. „Aber ich habe freiwillig zugestimmt, in diesem Spiel
mitzuspielen.“ Er wolle kein Held sein. Wenig später hat Tillmann seinen
ersten Kriegseinsatz in Afghanistan. Er stirbt im Kugelhagel seiner
Kameraden, die ihn, als er hinter einem Felsen Position bezog, für einen
Gegner hielten.
 
Für die Propagandamaschinerie der US-Streitkräfte hat sich der Fall Tillman
damit von einem Coup in einen Albtraum verwandelt. Denn Tillman war kein
Unbekannter, sondern Amerikas prominentester Soldat. Ein Footballstar, der
einen Millionenvertrag ablehnte, um nach dem 11. September in den „Krieg
gegen den Terror“ zu ziehen. Zunächst hatte Verteidigungsminister Rumsfeld
Tillmans Entscheidung zum Kriegsdienst als Propaganda für einen
Patriotismus, der keine Klassenschranken kennt, benutzt. Nun standen die
PR-Strategen im Weißen Haus vor dem Problem, dass ihr bekanntester Soldat
ausgerechnet durch „Friendly Fire“ ums Leben kam. Das ließ sich nicht
vertuschen, auch wenn die Armee Beweise vernichtete und zunächst den Taliban
die Tötung in die Schuhe schob.
 
Der scheinbar ehrenvolle Tod wurde zur PR-Tragödie, Tillmans Tod ein
weiteres Kapitel der unrühmlichen Bush-Politik, die sich in Kriegszeiten
noch mehr als sonst in ihren Lügen verhedderte.
 
Der Journalist Jon Krakauer erzählt die Geschichte Patrick Tillmans vor dem
Hintergrund der Ereignisse vor und nach dem 11. September, so, wie ihn
Familie, Kollegen und Vorgesetzte beschrieben, er zitiert aus seinem
Tagebuch. Er liebte sein Land, so simpel wie klar war seine Botschaft, das
Millionenangebot der NFL spielte keine Rolle. Minutiös und detailgetreu bis
hin zur Art der benutzen Waffen, Funksprüche sowie der Patrouillenroute
berichtet Krakauer von Tillmans Einsätzen. Dabei gelang ihm das sensible
Porträt eines Mannes, der idealistisch, intelligent, verantwortungsbewusst,
aber voller Zweifel war, wie sinnvoll Gewalt ist. Und der ahnte, dass sein
Dienst in die falschen Hände spielt, sein Tod als Propaganda ausgeschlachtet
werden würde. Er wolle nicht, schrieb er, dass sie ihn später durch die
Straßen tragen.
 
„Wenn ich an diesem Tag getötet worden wäre“, sagt der Soldat Mel Ward,
„hätte nie jemand erfahren, was wirklich passiert ist, weil ich nicht
berühmt bin. Ich bin nicht Pat. Ihr ganzes Leben hätte meine Frau
angenommen, ich sei gestorben, wie es ihr mit einer verlogenen Geschichte
aufgetischt wurde.“ Tillmans Tod war nicht umsonst. Er hat etwas bewirkt:
Nach der Aufdeckung der Affäre stieg sein Kamerad Ward aus der Armee aus.
 
Jon Krakauer, „Auf den Feldern der Ehre – Die Tragödie des Soldaten Pat
Tillman“, aus dem Amerikanischen von Michael Bayer, Piper Verlag, 320
Seiten, 19, 95 Euro.

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