Bücher

Erik Heier über Literaten und Protest

Erik Heier

Richard David Precht hat sich seit Tagen vor Amazons Logistik-Zentrum in Brieselang angekettet, aus Protest gegen Amazons Versuche, einer Verlagsgruppe höhere E-Book-Rabatte abzuringen. Frank Schätzing kündigt an, bei seinem nächsten Weltuntergang würden die Massenvernichtungswaffen durch abgefeimte Mittelsmänner in Brieselang per Morning Express in alle Welt verschickt (Versandgebühr: 13 Euro). Günter Grass gibt sein fulminantes Amazon-Protestgedicht persönlich bei der „FAZ“ ab. So, ja, schön. Nun kann es ja sein, dass ich all diese Nachrichten verpasst habe, weil ich die letzten Wochen im Wesentlichen mit sterbenslangweiligen Fußball-Verlängerungen vertrödeln musste. Wahrscheinlicher ist aber, dass es sie nicht gab. Zum einen, weil ich sie mir ausgedacht habe. Zum anderen aber, weil man von deutschen Schriftstellern in der Causa Amazon (da geht es ja auch um die Buchpreisbindung) ausnehmend wenig hört – Thomas Hettche ist eine Ausnahme. In den USA haben 100 Autoren einen offenen Brief von Douglas Preston unterzeichnet, in dem Amazon zum Einlenken aufgefordert wird. Darunter David Baldacci, Lee Child, Scott Turow. Lange her, dass deutsche Literaten das Streiten im Blut hatten. Das Protestosteron. Da waren die Gegner geiler, sicher. Kohl, Reagan, solche Leute. Vor allem aber verkauften Kohl und Reagan keine Bücher.

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