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„Erinnerungen an eine Ehe“ von Louis Begley

BegleyIn seinem zehnten Roman ist es wie stets bei Louis Begley, der 1991 – damals im Hauptberuf ein renommierter US-Fachanwalt – mit „Lügen in Zeiten des Krieges“ debütierte: Die Handlung enthält viele Parallelen zu seinem Leben, ohne dabei so klar autobiografisch zu sein, wie es bei seinem verstummten Kollegen Philip Roth oft der Fall war.

Über den Schriftsteller, der nun die „Erinnerungen an eine Ehe“ vorträgt, heißt es, er behandle die Themen „Liebe, Ehrgeiz, Betrug und Angst vor den Verheerungen des Alters“ und erzähle „anhand von Geschichten, die sich in New York und New England abspielten, mit gelegentlichen Streifzügen an Orte in Westeuropa“. All dies trifft auch auf Begleys Bücher wie „Schiffbruch“ (spielt zum Teil in Paris), „Mistlers Abschied“ (spielt in Venedig) oder die Trilogie mit Albert Schmidt zu. Mit seinem Ich-Erzähler, dem Begley nur den Vornamen Philip spendiert hat, teilt er auch die Erfahrung, einige Jahre an der Seine gelebt zu haben.

Als wir im Frühjahr 2003 Philips Bekanntschaft machen, ist der Witwer gerade nach New York zurückgekehrt, wo der 70-Jährige die „Folterqualen“ der Einsamkeit mit Arbeit bekämpft. Da trifft er Lucy De Bourgh wieder, eine gute Bekannte aus Pariser Tagen. Aus der verführerischen Erbin eines Riesenvermögens ist seit ihrem letzten (Liebes-)Treffen vor mehreren Dekaden eine schrullige Alte geworden. Voller Ekel spricht sie von ihrem verstorbenen Mann Thomas Snow, einem Investmentbanker, den Philip gut leiden konnte.

Zunächst widerwillig, dann mit steigendem Interesse setzt er sich, dabei immer ein Drink in Reichweite, ihren Hasstiraden aus. Vielleicht, weil dies der Stoff für einen neuen Roman ist. Also sucht er Zeugen und befragt Thomas’ zweite Frau Jane, seinen ältesten Freund Alex sowie ihren Sohn Jamie Snow, der als Filmemacher arbeitet.

Vor unseren Augen rekonstruiert Begley mit jedem weiteren Treffen von Philip und Lucy minutiös den Niedergang einer Ehe voller Affären. Klar, dass dazu auch die Darstellung von Sex gehört. Die hat Begley nie vernachlässigt, aber je älter er wird – kürzlich feierte er seinen 80. Geburtstag – desto größer scheint sein Interesse daran zu werden.

Text: Reinhard Helling

tip-Bewertung: Lesenswert

Louis Begley: „Erinnerungen an eine Ehe“ aus dem Amerikanischen von Christa Krüger, Suhrkamp, 222 Seiten, 19,95 Ђ

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