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Fabian Hischmanns Debüt „Am Ende schmeissen wir mit Gold“

ischmann_GoldMax Flieger, 29 Jahre junger Lehrer, aber selbst gefühlt noch nicht erwachsen, soll eigentlich bloß kurz aufs Schwarzwaldhaus seiner Eltern aufpassen, solange die im Urlaub auf Kreta sind. Onanierend oder tierfilmschauend ahnt er noch nicht, dass sie sterben werden, sehr bald.Während er sich den eigenen Phantomschmerzen stellt. Denn zwischen und vor den dunklen Bäumen war in seiner Kindheit viel passiert in der Pseudo-Idylle: „Da habe ich zum ersten Mal geraucht, zum ersten Mal gefickt und einmal fast einen umgebracht.“

Jan nämlich musste damals fast dran glauben, als er vor vielen Jahren mit Maria rummachte, während die drei als Teenager Verstecken spielten. Inzwischen leben Jan und Maria, ohne ein Paar zu sein, auf Jans geerbtem Hof. Max küsst Jan am Lagerfeuer und klärt die gemeinsame Beziehungszeit mit Maria. Er kippt endlos Whiskey mit seinem Herzensfreund Valentin, schmettert Springsteens „Dancing In The Dark“. Dann muss er aber doch nach Griechenland, um die Leichen seiner Eltern zu überführen. Später zieht es ihn zurück nach Kreta, zu den Freunden seiner Eltern und deren Sohn Timon, der ihm als Gastbruder die Verstecke junger Steinadler zeigt, die Max filmt. Schließlich muss Max sogar nach New York, um einem Dealer im Crack-Park den Revolver an die Schläfe zu legen, und mit sich selbst ins Reine zu kommen und mit Patrick, dem Geist in seinem Kopf, quitt zu sein.

Weiterlesen: Frank Goosen, der Nick Hornby aus Bochum, schickt in 16 Storys seine tragischen Helden in die Midlife-Crisis.

Der 30-jährige Berliner Fabian Hischmann hat eine ganz unprätentiöse, unpathetische Sprache für den Ringkampf seines Helden mit sich selbst gefunden: Es wird gekotzt und gekackt – aber mit der Einsicht, dass der wirkliche Ekel im Leben anderswo herrührt. Geschult in Hildesheim und am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig, hat sich Hischmann das seltene Gespür für ein packendes Maß an Plot und Atmosphäre bewahrt – und dafür, Empathie für seine Figuren zuzulassen. Über seinen eigens gedrehten Tierfilm urteilt Max Flieger im Roman: „Ich gewinne sicherlich keinen Preis damit, aber ein paar Bilder sind mir echt gelungen.“ Fabian Hischmann selbst hat allerdings nicht bloß ein paar Bilder im Griff, sondern seinen Seelentrip in voller Breitseite. Auf der vergangenen Leipziger Buchmesse war er beim Publikumsvorting der Favorit. Völlig zu Recht.

Text: Stefan Hochgesand

tip-Bewertung: Herausragend

Fabian Hischmann: „Am Ende schmeißen wir mit Gold“ Berlin Verlag, 256 Seiten, 18,99 Ђ

Buchpremiere Alter Roter Löwe Rein, Richardstraße 31, Neukölln, Do 20.3., 20 Uhr

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