Bücher

Fieberträume

Ein bisschen spät, diese Reiselektüre für den Sommer, aber besser spät als nie: In seinem grandiosen Abenteuer-Roman „Reise um die Welt in acht Nächten“ (Frankfurter Verlagsanstalt) erzählt Hans-Christoph Buch, und er macht das ebenso einzigartig unverschämt wie poetisch, von den Zielen, die er in Gestalt seines alter Egos Dschungelrudi auf der ganzen Welt aufgesucht hat. Vielleicht hat er sich das alles auch einfach nur auf dem Fieberbett in Afrika ausgedacht. Besser wäre das. In Mumbai wagt er sich in die Ghettowelt der Straßenprostitution, verkumpelt sich in Islamabad mit Terroristen, fällt beim Joggen vom Deck eines Schiffes in der Antarktis oder begibt sich im Kongo auf die Suche nach einem Restaurant, das Menschenfleisch anbietet. Buch verkehrt nach der Maxime, dass für einen Reiseschriftsteller die kürzeste Verbindung zwischen zwei Punkten nicht immer eine gerade Linie ist. Er bleibt so praktisch überall stehen. „Jede Reise ist ein Fluchtversuch aus dem Gefängnis der Identität, ein Ausbrechen nicht nur aus dem Raum, sondern auch aus der Zeit, in die du, ohne dein Zutun, hineingeboren bist.“ Aber wovor genau er auf der Flucht ist, vor der gescheiterten Ehe, dem Literaturbetrieb, das fragt Buch sich selbst. Er will sich nicht kennen lernen. Er soll weiter suchen, das macht ihn so spannend.

Hans Christoph Buch, „Reise um die Welt in acht Nächten: Ein Abenteuerroman“, Frankfurter Verlagsanstalt, 256 Seiten, 19,90 Euro.

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