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Frйdйric Beigbeder: „Ein Französischer Roman“

Frйdйric BeigbederFrйdйric Beigbeder war noch Werber, als er einen Barilla-Spot mit Gйrard Depardieu und David Lynch drehte. Das Vergnügen kostete die Agentur drei Millionen Euro. In Rom wurde mehrere Tage die Piazza Navona gesperrt. Lynch ließ das Team mal machen. Und Depardieu war schon morgens so betrunken, dass er keine Nudel mehr erkannte.
Das mit der Werbung war dann auch bald vorbei. Weil Beigbeder die Branche in seinem Kassenerfolg „39,90“ hochgehen ließ. In Frankreich ist er seitdem das Enfant terrible der Szene. Bespricht im Fernsehen Filme und ist offizieller Buchkritiker des Playboy. Mit dem neuen Werk „Ein französischer Roman“ will er jetzt erwachsen werden, die temporeiche Hedonistenprosa hinter sich lassen, der noch sein 9/11-Roman „Windows On The World“ (2002) zuzuordnen war.  Wozu die Verstellung? Jetzt wird Klartext geredet. Alles beruht auf einer wahren Begebenheit. Der Protagonist heißt Frйdйric Beigbeder und wird am 28. Januar 2008 nach einer durchzechten Partynacht geschnappt, weil er beim Koksen die Kreditkarte auf dem Kühler eines Autos vergessen hat. „An diesem frühen Morgen endete meine nicht enden wollende Kindheit.“ Die Polizei will seine Identität feststellen. Das ist auch ihm ein Bedürfnis.
In der kalten Zelle kommt Stück für Stück die vergessene Kindheit zurück. Die Kastanien im Bois de Bologne. Das Meer beim Großvater in Guйthary. Die Scheidung der Eltern, mit der ein Doppelleben beginnt: „zwei Wohnungen, zwei Weihnachten, zwei Zimmer“. Schuldgefühle. Hat Vater die Familie wegen Frйdйric und seinem Bruder verlassen? Was bleibt den Kindern anderes übrig, als zu verdrängen?
Klar gibt sich der 1965 geborene Beigbeder auch im neuen Roman larmoyant selbstironisch und narzisstisch. Klagt über „den alles auflösenden Individualismus“. Glorifiziert die „schlaflose Gesellschaft“, die jede Nacht gegen das Erwachsenwerden antanzt. Erstmals aber erreicht er eine tiefere Ebene. In einer gelungenen Mischung aus Pop und Psychologie lotet er seine Genese als Autor aus (der als Junge zu schreiben beginnt, um die Ferienerinnerung an den Vater festzuhalten). Spürt in einer Sprache, die manchmal fast an die französischen Romane des 19. Jahrhunderts erinnert, eigenen und gesellschaftlichen Beschädigungen nach. Die nicht gelebte Kindheit lebt er als Erwachsener. Bekennend.   

Text: Welf Grombacher
Foto: Andrй C. Hercher


tip-Bewertung: Lesenswert

 

Frйdйric Beigbeder: ?“Ein französischer Roman“
Piper, 253 Seiten, 19,95 Ђ


Lesung
?Lehmanns Fachbuchhandlung, ?Hardenbergstraße 5, Charlottenburg,?Mo 11.10., 20.30 Uhr

 

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